Noch vor dem Abitur gründete Philip Michl das Unternehmen Contain-us. Heute baut das junge Team hochwertige Modulhäuser aus Schiffscontainern – und trifft in Zeiten des Wohnraummangels den Nerv zwischen Handwerk und neuer Baukultur.
Die Hallen wirken größer als sie eigentlich sind. Holz liegt auf Böcken, irgendwo summt eine Säge, Metall klingt dumpf gegen Metall. Zwischen Werkzeugen, Fassadenelementen und halbfertigen Modulen sorgt eine Beatbox für urbane Sounds. Drumherum junge Männer und Frauen in Arbeitskleidung, die über Dämmwerte, Ausstattung und Lieferzeiten diskutieren. Hier drinnen erinnert nur wenig an jene Welt, aus der das zentrale Bauteil stammt: den internationalen Warenverkehr.
Denn was hier entsteht, soll hinterher nicht aussehen wie ein Schiffscontainer. Sondern wie ein hochwertiges Tiny House, eine Design-Sauna, ein Architekten-Anbau oder sogar ein vollwertiges Wohnhaus. „Der Container ist am Ende nur noch die Basis“, bringt es Philip Michl auf den Punkt. Und dieser Satz beschreibt ziemlich genau das Prinzip von Contain-us. Das junge Unternehmen baut modulare Wohn- und Gewerbeeinheiten auf Grundlage von Schiffscontainern – allerdings nicht im improvisierten Industrie-Look, der vielerorts mit jener kühlen Containerarchitektur verbunden wird. Statt sichtbarer Stahlwände entstehen gedämmte Räume mit Holzfassaden, Dachbegrünung, Terrassen, Panoramafenstern oder Design-Saunen. Hygge-Feeling im Kleinformat. Oder: Der Container verschwindet optisch fast vollständig, bleibt konstruktiv aber das tragende Element.

ERST DIE GRÜNDUNG, DANN DAS ABI
Es ist eine Geschäftsidee, die erstaunlich früh begann. Michl war noch Schüler, als er den ersten Container bestellte. „In der elften Klasse sagte der Vater meiner Freundin, dass sie gerne ein Gartenhaus hätten. Und ich hab‘ gesagt: Das krieg ich hin“, so der ambitionierte Gründer.
Die Idee kam nicht aus dem Nichts. Michl ist zwischen Hallen, Staplern und Logistikunternehmen aufgewachsen. Sein Vater und dessen Bruder betrieben ein eigenes Vertriebssystem in der Logistikbranche. „Im Maxi-Cosi bin ich immer wieder auf dem Stapler mitgefahren“, sagt er und lacht. Die Welt der Lagerhallen war für ihn nie abstrakt, sondern schon früh prägender Alltag. Und eigentlich schien der berufliche Weg für Michl damit früh vorgezeichnet. Doch innerhalb der Familie verschoben sich Zuständigkeiten, Perspektiven und Nachfolgen. Michl begriff, dass er den Betrieb seines Vaters vermutlich nie so würde führen können, wie er es sich selbst vorstellte. Also begann er, über etwas Eigenes nachzudenken.
Zur selben Zeit sah er Bilder aus Kanada: Häuser aus Schiffscontainern, teilweise zweistöckig, architektonisch ambitioniert, modern, anders. Die Idee ließ ihn nicht mehr los. Denn hinter der ungewöhnlichen Ästhetik erkannte er vor allem ein wirtschaftliches Prinzip. „Ein Schiffscontainer ist wahrscheinlich der größte genormte Prototyp der Welt“, erklärt es Michl. „Der wird in Serie von Robotern hergestellt. Deshalb ist er so günstig.“ Ein gebrauchter 20-Fuß-Container kostet im Einkauf zwischen 900 und 1.200 Euro, ein neuer etwa 1.600 Euro. Für Michl liegt genau darin der entscheidende Hebel. Denn die eigentliche Statik sei mit dem Container bereits vorhanden – stabil, standardisiert und weltweit transportierbar. „Wenn ich denselben Stahlkörper individuell schweißen lassen würde, wäre ich bei 20.000 Euro oder mehr“, gibt er offen zu.

Aber zurück zu den Anfängen: Was Michl damals im Garten der Schwiegereltern noch fehlte, war nahezu jede praktische Erfahrung. Er hatte weder eine Ausbildung als Schreiner noch als Schweißer absolviert. „Ich habe vorher samstags auf dem Bau gearbeitet“, sagt der 23-Jährige. Mehr nicht.
Mit einfachen Werkzeugen flext er seinen ersten Container in der Mitte durch, kürzt ihn auf drei Meter – unwissend, dass es ab Werk bereits 10-Fuß-Container gegeben hätte – und schweißt die Stirnwand wieder an. Wie man schweißt, bringt er sich mit You-Tube-Videos selbst bei. „Die Nähte sahen katastrophal aus“, erinnert er sich, „aber sie hielten.“ Zusammen mit einem befreundeten Zimmerer verpasste er dem Stahlkasten dann noch jene edle Holzfassade und ein begrüntes Dach, das für den Unterschied sorgte. Fertig. Das Objekt steht noch heute, fünf Jahre später, im Garten der Eltern seiner Freundin.
Zunächst blieb die Idee der eigenen Firma aber noch liegen. Mal dachte er über andere Geschäftsmodelle nach, wie über den 3D-Druck. Doch das Gartenhaus sprach sich herum. Bekannte und Nachbarn fragten nach ähnlichen Lösungen. Ein Mitschüler unterstützte ihn beim Aufbau der ersten Website, beim Schreiben von Businessplänen und organisatorischen Fragen. Im März 2023, nur eineinhalb Monate vor den Abschlussprüfungen, saß Michl dann beim Notar und gründete seine erste Firma. Das Abitur bestand er, wie er unumwunden zugibt, im Bereich des absolut Durchschnittlichen. Seine Schullaufbahn beschreibt er als „komplette Katastrophe“ – bis zum Wechsel auf die Wirtschaftsschule. Während andere Goethe analysierten, lernte Michl den Umgang mit Bilanzen und Aktien sowie die Anatomie von Unternehmen. Es war sein Erweckungserlebnis und zeitlich das Fundament für das, was folgen sollte.
DAS ERSTE TINY HOUSE IM SELBSTVERSUCH
Und doch setzte nach dem Notartermin erst einmal die harte Realität ein: Der erste Kumpel verließ das Boot früh; er suchte die Sicherheit eines dualen Studiums bei BMW anstelle der Selbständigkeit. Michl blieb zurück, schrieb sich pro forma an der Uni für Wirtschaftsingenieurwesen ein, bestand die ersten Prüfungen mit Bestnoten, merkte aber schnell, dass die Praxis in den Werkstatthallen ihn lauter rief als der Hörsaal.
Sein Vater, der an das Businessmodell des Juniors glaubte, sponserte Michl die reinen Materialkosten für ein erstes Musterhaus. Mehr nicht. Keine Kredite, keine Banken, keine Bürgschaften. Zusammen mit Freunden aus dem Sanitär- und Schreinerhandwerk baute Michl sein erstes echtes Tiny House. Um zu beweisen, dass sein Konzept nicht nur im Sommer als Lifestyle-Gag taugt, zog er gleich selbst ein. Drei Jahre lang lebte er in dem umgebauten Container. Und erlebte bayerische Winter mit einem halben Meter Schnee vor der Tür und sommerliche Hitzeperioden. „Es funktioniert“, sagt er heute mit jener Autorität, die nur durch einen Selbstversuch entsteht.
Um das Geheimnis des ganzjährigen Nutzbaren zu verstehen, braucht es einen genaueren Blick in das Innere der Stahlhülle. Hier nutzt der kreative Gründer eine wasserbasierte Zweikomponenten-Dämmung, die im Spritzverfahren aufgetragen wird und so Kondenswasserbildung und Schimmel am kalten Metall verhindert. Folge: Der Zellkern ist somit komplett geschlossen. Keine Feuchtigkeit dringt ein, keine Schadstoffe treten aus. Mit einem Dämmwert von 0,186 erreichen die Bauten Werte, die jedem modernen Holz- oder Steinhaus Konkurrenz machen.

VERANTWORTUNG DURCH 3
Ein Solist kann ein Unternehmen gründen, aber er kann es nicht dauerhaft skalieren. Und so werden zwei Männer sichtbar, die Michl seit der Grundschule kennt: Fynn und Niclas. Sie sind seit Schultagen beste Freunde, die zusammen feiern gehen, sich blind vertrauen. Niclas und Fynn sind auch die ersten, die dann gemeinsam mit Philip auf freundschaftlicher Ebene und zunächst unentgeltlich, an den Tiny Houses mitbauen. Über die Zeit und durch die gemeinsame Arbeit entsteht der Gedanke, auch offiziell in die Firma einzusteigen. Kurzum: Michl verkauft jeweils 15 Prozent der Anteile an seine Freunde – eine Entscheidung, die er heute als „die beste meines Lebens“ bezeichnet.
Mit dem Trio zog jene Struktur ein, die dem kreativen Chaos Michls fehlte. Die Rollenverteilung folgt den jeweiligen Talenten und ist frei von Eitelkeiten: Während Michl als das öffentliche Gesicht der Firma, als Visionär, Vertriebler und Netzwerker agiert, betreut Fynn Personal und Technik. Der gelernte Mechatroniker sieht sich als Kalkulator und innovativen Webdesigner. Niclas, der derzeit noch Business Management „nebenher“ studiert, kümmert sich um Finanzen und IT, sowie KI-Automatisierung und Controlling. Zusammen haben sie ein ehernes Grundgesetz formuliert: Entscheidungen werden demokratisch getroffen. Zwei Stimmen überstimmen eine. Wer die Mehrheit gegen sich hat, muss sich fügen – das gilt auch für Gründer Philip. „Es ist totaler Quatsch zu glauben, man sei als Gründer das Mastermind“, so Michl pragmatisch. „Wenn du acht gescheite Köpfe in der Halle hast, sind die immer schlauer als ein Schlauer allein.“ Und schickt sein herzliches, gewinnendes Lachen hinterher.
Dank der Dreierkonstellation arbeitet Contain-us heute äußerst digital und hochgradig automatisiert. Während Niclas derzeit sein Auslandssemester in Argentinien absolviert und die Finanzen dank KI-Schnittstellen aus Südamerika steuert, kalkuliert Fynn die Projekte minutengenau. Dazu wird jedes Projekt digital gestempelt. Die Handwerker tragen über eine selbst entwickelte App ein, wie lange sie für welchen Arbeitsschritt benötigt haben – und wieviel Material zum Einsatz kam. So weiß das Team, dass eine Luxus-Sauna exakt 500 Arbeitsstunden verschlingt. Nichts wird dem Zufall überlassen, Fehlkalkulationen sind ausgeschlossen.
GEN Z IM ARBEITSMODUS
Wer die klassischen Medien konsumiert, hört oft das Klagelied über den Niedergang des deutschen Handwerks, den Fachkräftemangel und die Bürokratie. Michl und seine Partner teilen diese wehleidige Sichtweise nicht. Sie kritisieren die chronische Negativberichterstattung. „Es gibt so viele positive Entwicklungen und Innovationen in diesem Land, aber die Medien verkaufen lieber schlechte Nachrichten“, bemängeln sie.
Denn: Ihre eigene Realität sieht anders aus. Während traditionelle Baubetriebe Vermögen für Messeauftritte ausgeben, die sich oft nicht rentieren, setzen die jungen Gen-Z-Gründer auf die Macht der Algorithmen. Fast 50 Prozent ihrer Aufträge generieren sie mittlerweile über Instagram und TikTok. Ihre Followerzahl ist zwar mit rund 2.500 überschaubar, doch es ist eine hochgradig konvertierende Nische. Die Menschen suchen gezielt nach modernen Wohnformen, sehen die brillanten Bilder und Videos der fertigen Projekte und unterschreiben dann den Vertrag.

Wenn das Team Marketing im realen Raum macht, dann unkonventionell. Ein „Tag der offenen Tür“ in ihrer Halle lockte statt der erwarteten 100 über 400 Menschen an. Für die Zukunft planen sie, eine Mustersauna auf einen Anhänger zu packen, an den Starnberger See zu fahren oder direkt vor vier-Sterne-Hotels vorzufahren, die noch keinen Wellnessbereich besitzen. „Reden kann ich gut mit den Leuten“, weiß Michl. Wenn ein Hotelier versteht, dass er ein Luxusprodukt ohne aufwändige Baugenehmigung einfach in den Garten stellen kann, ist für ihn der Deal so gut wie perfekt. Auch das Thema Personalmangel kennen die jungen Gründer nur aus den etablierten Medien. Sie hingegen werden überschwemmt mit Bewerbungen. Junge Menschen wollen bei ihnen eine Ausbildung machen, erfahrene Schreinermeister suchen die Anstellung. Inzwischen arbeiten rund zehn Menschen für Contain-us. Der Altersdurchschnitt liegt bei unter 30 Jahren, die Dynamik ist extrem hoch. Kürzlich stellten sie aber auch eine 55-jährige Vertrieblerin ein, die früher Luxusyachten verkaufte. Sie müsste finanziell nicht mehr arbeiten, hat aber einfach „Bock“ auf die Energie dieses jungen Teams. Die Fluktuation liegt bei null, ebenso der Krankenstand. Der Grund ist eine tiefe und gegenseitige Wertschätzung und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe: Gewinne werden prozentual an die Mitarbeiter ausgeschüttet, es gibt regelmäßige Teamausflüge – zuletzt nach Mailand – und die Gehälter der drei Gründer sind absolut identisch. Im rotierenden Wechsel kochen die Mitarbeitenden fürs Team, wer schimpft oder blöde Sprüche bringt, zahlt dafür 1 Euro in die Meckerbox.
DAS BÖSE WORT MIT C
Was sich seit der Gründung am stärksten verändert hat, ist die Kommunikationsstrategie im Kundengespräch. Diese, so Michl, hat er „radikal“ angepasst. Wenn er heute zu zahlungskräftigen Kunden nach Starnberg, Nürnberg oder rund um München fährt, spricht er nicht mehr von Containern. Er spricht von „Modulanbauten“. Er zeigt Bilder von lichtdurchfluteten Kuben, von eleganten Wellness-Oasen und architektonischen Skulpturen, die sich nahtlos an bestehende Villen schmiegen. Erst wenn der Kunde begeistert ist, wenn die ästhetische Akzeptanz besiegelt ist, lässt er die Katze aus dem Sack, was das Fundament dieses Traums betrifft. Und verkauft es gleichzeitig als die perfekte Täuschung: als einen Panzer, der durch die spezielle vorgehängte Fassade bestens geschützt ist vor UV-Strahlung und Witterung und der laut konservativen Schätzungen mindestens 40 bis 50 Jahre wartungsfrei überdauert. Auf hoher See, im aggressiven Salzwasser, hält ein Container rund 20 Jahre. An Land, behütet von bayerischer Handwerkskunst, altert er hingegen fast gar nicht.
„Das ist dann immer der Wow-Effekt“, sagt Michl. Die Kunden begreifen plötzlich den genialen ökonomischen und statischen Vorteil. Und so schlägt ein exklusiver, zweigeschossiger Anbau in Starnberg mit rund 200.000 Euro zu Buche, für eine Design-Sauna werden zwischen 40.000 und 60.000 Euro fällig, ein drei Meter langes Gartenhaus liegt hingegen bei 16.000 bis 20.000 Euro. Günstiger geht’s kaum. Etwa zweieinhalb Monate dauert es, bis das Projekt umgesetzt und an seinen neuen Standort geliefert wird, Themen wie mögliche Baugenehmigungen und Co übernimmt das Team ebenfalls, wobei diese für ein Nettoinnenraumvolumen von 75m3 in Bayern nicht notwendig ist.
Dass wohlhabende Kunden einem Team von Mittzwanzigern solche hohen Summen anvertrauen, grenzt in der konservativen Baubranche an ein Wunder. Es ist aber auch das Ergebnis einer kompromisslosen Transparenz: Die Angebote von Contain-us sind keine Pauschalschätzungen; sie sind oftmals bis zu sieben Seiten lange, digitale Dokumente, in denen tatsächlich jede einzelne OSB-Platte, jede Steckdose, jede Schraube und jede Arbeitsstunde auf Materialebene offengelegt werden.

Hinzu kommt, dass „der Kunde entscheidet, ob er die Standard-Variante will oder sein Tiny House zum Porsche aufpimpt“, so Michl. Denn: „Geht nicht, gibt’s bei uns nicht. Wir bekommen alles hin“, verspricht er lautstark. Auch, wenn er diesen Wunsch zuvor noch nie realisiert hat. „Mit Sicherheit finde ich dazu ein YouTube-Video oder ein anderes Tutorial im Netz“, gibt sich der junge Gründer selbstbewusst. Gen-Z weiß sich eben digital zu helfen, ein „Nein“ kommt Michl gegenüber seinen Kunden niemals über die Lippen. Und so ist die Spannweite der Projekte inzwischen dementsprechend groß: Derzeit plant Contain-us unter anderem ein 160-Quadratmeter-Haus aus sechs Containermodulen für einen Kunden aus der Nähe von Nürnberg. Für einen anderen Kunden aus Schwerin bauten sie ein privates Heimkino in den Container, für eine Lasertechnikfirma einen Container mit Schiebedach. Und auch Gemeinden haben bereits ihr Interesse an den modularen Wohnkonzepten signalisiert.
DIE HARTE SCHULE DER LIQUIDITÄT
Doch der Weg des Unternehmers ist eben auch keine Einbahnstraße des Erfolgs. Im Januar dieses Jahres erlebten die Visionäre ihre bisher härteste Lektion. Ein Kunde hatte vor Weihnachten nach dem finalen Endgespräch die mündliche Zusage für ein großes Projekt gegeben. Das Team vertraute dem Handschlag, legte los und verabschiedete sich dann, im Glauben an den zugesagten Auftrag, in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub – doch die unterschriebene Auftragsbestätigung traf nie ein, der Kunde war nicht mehr erreichbar. Und so klaffte plötzlich ein Loch von 50.000 Euro in der Januarkalkulation.
In einer solchen Krise zeigt sich der Charakter eines Unternehmens. Während andere den Gang zur Bank antreten oder Löhne der Angestellten stunden, griffen die drei Gründer tief in die eigenen, privaten Taschen. Fünfstellige Summen schossen sie nach, um die Liquidität zu sichern. Denn bei Contain-us gilt auch ein unumstößliches Dogma: Die Bezahlung der Mitarbei- ter hat oberste Priorität. Lieber griff Michl zum Hörer und bat seine Lieferanten, die Rechnungen zwei Wochen später überweisen zu können.
„Das Ganze war wirklich eine Scheißnummer“, sagt Michl rückblickend in der ungeschminkten Sprache des Handwerks. Seitdem gelten strengere Regeln: „Der nächste Container wird erst aufgeflext, wenn die 50 Prozent Anzahlung auf dem Konto sind.“ Das Unternehmen finanziert alles aus dem eigenen Cashflow. Es gibt keine Bankkredite, keine externen Investoren, die hineinreden. Diese Unabhängigkeit gibt ihnen die Freiheit, radikal organisch zu wachsen.
FLÄCHENSTAU UND PRODUKTIONSSTART
Der eigentliche Engpass ist dabei heute längst nicht mehr die Nachfrage, sondern die Fläche. Noch sitzt das Unternehmen in Landsberg am Lech auf rund 600 Quadratmetern zur Miete. Künftig soll ein deutlich größerer Standort entstehen: 3.000 Quadratmeter Grundstück, 1.800 Quadratmeter Halle. In diese Halle wird eine eigene Schreinerei integriert, um die enorme Nachfrage nach Sonderanfragen, Terrassen, Verschalungen und Pergolen direkt zu bedienen.
Das Investitionsvolumen für die neue Halle liegt bei rund zwei Millionen Euro. Für ein Unternehmen, das bislang eigenfinanziert arbeitet, ist das ein gewaltiger Schritt. Und doch sind die Pläne der Gründer äußerst präzise.
So haben sie ihren Fünfjahresplan gleich dreimal geschrieben – jeder für sich, im stillen Kämmerlein. Allein. Als sie die Entwürfe nebeneinanderlegten, zeigte sich die tiefe Symbiose des Trios: Die Visionen waren nahezu deckungsgleich. So soll der Umsatz in den kommenden fünf Jahren auf über fünf Millionen Euro netto steigen – im vergangenen Jahr lag er noch bei 780.000 Euro brutto. Die Logistiksparte CVS – ContainerVertriebSüd – an der Philip Michl, Fynn Langenbeck und Niclas Gnamm jeweils zu 33% als Geschäftsführer beteiligt sind, soll zusätzliche hunderttausend Euro beisteuern.
Darüber hinaus soll ein eigener Container-LKW dafür sorgen, zukünftig unabhängig von Speditionen agieren zu können. Sogar die Internationalisierung steht bereits auf dem Programm: Niclas, der fließend Spanisch spricht, bereitet den Markteintritt auf der iberischen Halbinsel vor. Sogar bis nach Mauritius hat Contain-us schon Container verschifft.
Und Philip Michl selbst? Wenn man ihn fragt, ob er irgendwann die klassische Millionärsvilla bauen will, schüttelt er energisch den Kopf. Sein persönlicher Traum ist von minimalistischer Eleganz geprägt: ein eigenes Grundstück, darauf ein kleines Sechsmeter-Tiny-House aus eigener Produktion. Daneben eine Design-Sauna, eine Terrasse mit Pergola und ein Naturteich. Mehr braucht er nicht.
Pia Hart (Text) und Daniel Biskup (Fotos)
Die Leseprobe war zu kurz?
