Augsburg Gabriele Seidenspinner von Haus und Grund

„Das Zerrbild vom renditegetriebenen Vermieter hält den Daten nicht stand“

Gabriele Seidenspinner ist Rechtsanwältin und Vorständin des Vereins Haus & Grund. Sie kennt die Belange der Vermietenden, Mietenden und der Immobilien- und Bauwirtschaft.

Haus & Grund vertritt die Interessen von Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümern. Was leistet Ihr Verein konkret für seine Mitglieder?

Wir bieten unseren aktuell rund 7.000 Mitgliedern diverse Angebote. Recht haben heißt leider nicht immer Recht bekommen. Sehr häufig kennen Eigentümer ihr gutes Recht gar nicht, denn im Dickicht der Paragraphen ist es für Laien schwierig, sich zu- recht zu finden. Gewinnen kann nur, wer sich auskennt.

Was bedeutet das konkret?

Haus & Grund kennt sich aus in Augsburg und Umgebung und wir wissen, was es heißt, eine Immobilie zu besitzen. Rechts- beratung, rechtssichere Mietverträge und Formulare sowie ein starkes Netzwerk sind nur ein Teil unseres umfangreichen Serviceangebotes. Wir beraten Wohnungs- und Hauseigentümer sowie Verwalter und Vermieter jeder Größe. Immobilieneigentum ist eine der zukunftssichersten Wertanlagen. Mit Beratung und praxisgerechten Informationen helfen wir unseren Mitgliedern Verluste zu vermeiden, Werte zu erhalten und damit die Freude am Eigentum langfristig zu steigern.

Wer sind die privaten Vermieter und welche Rolle spielen sie im regionalen Wohnungsmarkt?

Mehr als die Hälfte, 55,5 Prozent, sind Eigentümer, die Eigentumswohnungen in einer Eigentümergemeinschaft vermieten, gefolgt von Vermietern mit Immobilien in einem Mehrfamilienhaus oder Besitzer von Einfamilienhäusern. Der Großteil unter ihnen, 38,2 Prozent, vermietet ein bis zwei Wohneinheiten, gefolgt von 28,6 Prozent, die drei bis fünf Wohneinheiten zur Miete anbieten und 10,4 Prozent, die mehr als 15 Wohneinheiten stellen. Um die Verwaltung kümmern sich mehr als die Hälfte persönlich, nur rund 22 Prozent nutzen eine Hausverwaltung. Das sind die Zahlen aus unserer letzten Erhebung von 2024.

! Über Haus & Grund
Haus & Grund ist der Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer e.V., eine Interessengemeinschaft von privaten Haus-, Wohnungs- und Grundstückseigentümern.

Stand 2026 sind 21 Landesverbände und 840 Ortsvereine dem Zentralverband angeschlossen. Haus & Grund in Augsburg wurde 1880 gegründet und hat heute mehr als 7.000 Mitglieder.

Sehr viele Vermietende verlieren aktuell die Freude am Eigentum. Sie erwägen den Rückzug, vor allem aufgrund vielfältiger Regulierungsideen.

Über 60 Prozent der Vermieter überlegen, den Wohnraum zu verkaufen oder teilweise aufzugeben. Die politisch diskutierten Mietrechtsverschärfungen führen einfach zu extremer Unsicherheit. Das empfinden wir als schade, denn Privatpersonen oder Gemeinschaften von Wohnungseigentümern dominieren den Mietwohnungsmarkt.

Privatpersonen bilden das Rückgrat des deutschen Wohnungsmarkts. Rund 80 Prozent des Bestands liegen in der Hand privater Eigentümer.

Ja – und auch wenn die Mieten in Deutschland ein hochemotionales Thema des politischen Diskurses darstellen – amtliche Statistiken belegen, dass private Einzelvermieter ihre Wohnungen in der Regel zu fairen Preisen auf dem Markt anbieten. Das bestätigen auch die im Rahmen der Umfrage „Private Vermieter in Augsburg“ erhobenen Daten. Das Zerrbild vom renditegetriebenen Vermieter hält den Daten nicht Stand. Knapp 60 Prozent unserer Vermieter passen die Miete nur moderat an oder verzichten sogar auf eine Anpassung – selbst wenn Betriebskosten oder Instandhaltungsausgaben steigen. Wir sehen da ein sehr starkes soziales Verantwortungsgefühl.

Portrait von Gabrielle Seidenspinner vor dem EIngang von Haus & Grund Augsburg
Gabriele Seidenspinner kümmert sich als Rechtsanwältin bei Haus & Grund um die Belange der Vermietenden.

Was bedeuten dürfte, dass diese Gruppe entscheidend dazu beiträgt, die Preissteigerungen auf dem Mietmarkt nicht ausufern zu lassen.

So ist es – diese Gruppe trägt zur Mäßigung der Marktdynamik bei. Etwas mehr Wertschätzung und weniger Regularien sind aus meiner Sicht angebracht. Private Eigentümer sollten gute Rahmenbedingungen erhalten und in ihrer Rolle bestärkt und unterstützt werden.

Haus & Grund wird oft als „Vermieterlobby“ wahrgenommen – wie stellen Sie sicher, dass die Interessenvertretung für Eigentümer nicht zulasten der Mieter geht?

Wir sind die Vermieterlobby – und zwar mit einer Million Mitgliedern. Die Frage zeigt, dass ein Umdenken angezeigt ist. Eigentümer sind die, die Wohnraum schaffen, Instandhaltung betreiben und sich darum kümmern und nicht diejenigen, die als Gegner der Mieter behandelt werden sollten.

Was sind denn die aktuellen Anliegen, mit denen Sie bei Haus & Grund besonders konfrontiert sind?

In unserer Umfrage geben über die Hälfte der Vermieter an, dass sie keine Konflikte mit Mietern haben. Bei den anderen 46,4 Prozent stellen die Missachtung der Hausordnung, die Betriebskostenabrechnung oder Mängel in der Wohnung das größte Konfliktpotenzial dar. Mich persönlich beschäftigt aktuell auch der soziale und gesellschaftliche Umgang miteinander, der sich aus meiner Perspektive verändert.

Wohnen ist etwas sehr Persönliches, die Menschen leben oft nahe beieinander. Ich nehme da im Moment eine äußerst starke Dünnhäutigkeit wahr, sowohl bei Nachbarn, die bereits lange Tür an Tür wohnen und nun erbittert streiten oder bei Vereinsmitgliedern, die mit ihren Anliegen teilweise sehr energisch auf uns zukommen. Aktuell wirkt es so, als hätten Vermieter und Mieter sehr viele Anliegen gerne ausgelagert und extern geregelt.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?

Es herrscht eine große Unsicherheit häufig gepaart mit einem fehlenden Willen, sich mit Dingen auseinanderzusetzen. Ein Beispiel: Der Mieter meldet einen Mangel und der Vermieter ruft bei uns an, was er nun tun solle. Dann empfiehlt sich als Erstes, den Mangel anzusehen und sich selbst ein Bild von der Situation zu machen.

Wie lösen Sie das?

Unser Ansatz ist es, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Eine Lösung ist in 99 Prozent der Fälle für alle Beteiligten die kostengünstigste Variante – und natürlich auch psychisch die beste. Dadurch, dass wir kein wirtschaftliches Interesse haben, ist es für uns immer schön, wenn man die Dinge charmant vom Tisch bringt. Selbstverständlich gibt es auch Fälle, in denen es nicht anders geht.

Mehr Machbarkeit und weniger Diskussionen – das war es, was Sie sich 2025 in Bezug auf die Immobilien- und Bauwirtschaft wünschten. Was wäre es 2026?

Mehr Eigenverantwortung – in allen Belangen. Augsburg ist im SKL Glücksatlas 2026 auf Platz 2 der glücklichsten Großstädte in Deutschland. Ein Grund dafür war der bezahlbare Wohnraum und das starke nachbarschaftliche Miteinander. Es ist mein Wunsch diesen Zustand für alle Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer sowie deren Mieter zu erhalten.

Eva Hampl (Text) und Daniel Biskup (Fotos)

Die Leseprobe war zu kurz?

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