Mit nur zwei Projekten starteten Christian Fußner und Frank Kühne 2007 in die Selbständigkeit. Investierten sie am Anfang in Wettbewerbe und Wachstum, richten sie ihren Fokus heute darauf – nach preisgekrönten Einfamilienhäusern, namhaften Gewerbeprojekten und Sanierungen – Lösungen zu bauen.
Leichter Wind drückt das 28 Grad warme Wasser in kleine Wellen. Umrundet vom 250 Jahre alten Gemäuer des Schaezlerpalais können die Badenden im Infinity-Pool des Maximilian’s den Blick auf die Moritzkirche oder den Fuggerbau genießen. „Der Pool war nicht geplant, das hat sich im Projektverlauf entwickelt“, erzählt Architekt Christian Fußner. „Wie die Duplex-Suiten“, ergänzt Theo Gandenheimer, Managing Director des Maximilian‘s. Bauherr und Architekt stehen auf der Dachterrasse des im März 2026 eröffneten Hotelneubaus. Die Stimmung ist vertraut.
ANBAU IM LAUFENDEN HOTELBETRIEB
Beim Rundgang durch den Anbau mit sieben neuen Suiten und der Erweiterung des Parkhauses sprechen Fußner und Gandenheimer über die Herausforderungen des Projekts. Die Planung wurde mehrfach angepasst. „Wir mussten auf die historische Bausubstanz der angrenzenden Gebäude reagieren und die Auflagen der Denkmalpflege umsetzen“, erklärt Fußner.

Hinzu kam die Baustellenlogistik: „Die Arbeiten fanden bei laufendem Hotel- und Parkhausbetrieb sowie unter beengten Platzverhältnissen statt. Das verlangte allen Beteiligten einiges ab.“ Der Hoteldirektor öffnet eine der Duplex-Suiten. Eine matt-schwarze Küchenzeile, hohe Räume und flächenbündige Türen prägen den Raum, neue Texturen und ein modernes Design verleihen der Suite eine reduzierte, warme Atmosphäre. Theo Gandenheimer hat als Liebhaber guten Designs einen schwarzen Beistelltisch aus Italien platziert.
GEMEINSAM PLANEN UND ENTWICKELN
Christian Fußner und Frank Kühne legen neben durchdachtem Interior mehr Wert auf wohlüberlegte Architektur. Sprechen sie über Projekte, hört man den Stolz über prestigeträchtige Bauten heraus, wie den Neubau ZAM Spaces, ein Büro- und Geschäftshaus im Münchner Westen, oder das Ausstellungs- und Schulungszentrum der Finstral AG an der Autobahn A8. Ausführlicher berichten sie jedoch davon, wie Projekte trotz aller Widerstände realisiert werden konnten: „Eine der Kernaufgaben eines Architekten ist es, die Bedürfnisse des Bauherrn, die Kernstücke seines Denkens und Handelns, zu verstehen. Und dann zu sagen: ‚Wir wissen, wo du hinwillst. Wir finden gemeinsam eine Lösung.‘ Kosten und Terminpläne im Griff zu haben, ist unser Handwerkszeug“, sagt Kühne.


VOM WETTBEWERB ZUM DIREKTEN DIALOG
2007 gründeten Frank Kühne und Christian Fußner ihr Büro in einer kleinen Wohnung in Friedberg – mit Existenzgründungszuschuss. Anfangs setzten die beiden Partner, die sich aus dem Studium an der Augsburger Fachhochschule kannten, alles selbst um: Entwurf, Bauleitung, Abrechnung. Ihr Ziel war klar: wachsen und an Wettbewerben teilnehmen.
Bereits das erste Projekt, ein Wohnhaus in Rinnenthal im Landkreis Aichach-Friedberg mit 240 Quadratmetern Wohnfläche in Niedrigenergiebauweise, das Frank Kühne entwarf, fand Beachtung und wurde für die Architektouren 2007 der Bayerischen Architektenkammer ausgewählt. „Wir haben uns schnell lokal einen Namen gemacht.


Schon 2009 begleitete uns der Bayerische Rundfunk mit der Dokureihe Traumhäuser beim Bau eines Wohnhauses in Friedberg. Die Presse, die Mund-zu-Mund-Propaganda, unsere Webseite – das waren Multiplikatoren, die Interessenten Qualität und Sicherheit versprachen und unserem Büro Bauherren und Aufträge bescherten“, berichtet Frank Kühne. Das Büro wuchs und bezog 2010 ein 200 Quadratmeter großes Büro im alten Postgebäude in der Bahnhofstraße in Friedberg.
ZWEI STÄRKEN, EIN BÜRO
Mit der Bürofläche wuchsen die Aufträge. „2011 haben wir nach dem Aufmaß für das Priesterhaus der Wallfahrtskirche in Herrgottsruh den Sanierungsauftrag erhalten. Diese Referenz führte dazu, dass wir den Zuschlag für den Neubau einer Wohnanlage mit 15 seniorengerechten Wohnungen in Kleinaitingen erhielten. Vom Einfamilienhaus zum Mehrfamilienhaus, das war ein bedeutender Schritt“, sagt Kühne weiter. Die Arbeitsteilung im Büro war nicht festgelegt, sie hat sich aus den jeweiligen Stärken entwickelt. Frank Kühne verantwortet heute die Führung und Organisation des Büros sowie die Detailplanung und -abwicklung großer Projekte. Christian Fußners Stärken liegen in der Abstimmung und Koordination von Bauherren, Ämtern und Behörden.

PERFEKTE ABSTIMMUNG
Ein Beispiel für das Zusammenspiel der Partner ist das Projekt des Ausstellungs- und Schulungszentrums der Finstral AG, einem Hersteller von Fenstern und Haustüren mit Sitz in Bozen, Italien. War das Grundstück für Finstral ursprünglich zu groß, entwickelte Christian Fußner im Dialog mit der Baubehörde eine Lösung – Finstral teilte sich das Grundstück mit der Bäckerei Scharold, Aldi Süd kam als dritter Nutzer dazu. Frank Kühne koordinierte mit Mitarbeitenden die Details bei Planung und Bau des Projekts, darunter die Bodengutachter, Bauphysik sowie den Schall- und Wärmeschutz für das europaweit größte Ausstellungs- gebäude für Fenster und Haustüren.
NEUE GESCHÄFTSMODELLE FÜR EINEN VERÄNDERTEN MARKT
Heute wird das Büro mit acht Mitarbeitenden geführt. Das Netzwerk, das sich die Architekten in 19 Jahren aufgebaut haben, trägt das Unternehmen. Und dennoch: Seit 2020 hat sich der Markt für Architekten gewandelt. Steigende Baukosten, hohe Bauzinsen sowie die unsichere politische und wirtschaftliche Lage sorgen für Zurückhaltung bei privaten und gewerblichen Bauherren. „Der klassische Neubau ist deutlich schwieriger geworden“, so Fußner.
Das Büro nutzt Chancen, setzt aber nie alles auf eine Karte. Neben dem Architekturbüro betreiben Fußner und Kühne die Bauträgergesellschaft BauQuadrat GmbH. Sie kaufen Grundstücke, entwickeln und bebauen diese. Das Kerngeschäft aber bleibt das Architekturbüro. Immer häufiger gehen dort Anfragen zu Umbau eines Bestands und Nachverdichtung ein. „Diese Projekte sind oft herausfordernd. In der Praxis hängen Fragen zu Brandschutz, Statik und Erschließung daran“, erläutert Kühne. Es sind individuelle Lösungen nötig – für beide spannender als das Beplanen einer völlig leeren Wiese.
Eva Hampl (Text) und Daniel Biskup (Fotos)
Die Leseprobe war zu kurz?
