20 Jahre: 20 Seiten


Zu unserem 20-jährigen Jubiläum gönnen wir uns viel Platz und blicken zurück auf die Geschichte der edition:schwaben sowie unserer wunderschönen Region.

Eva Hampl (Text)

„Sie halten die erste Ausgabe von edition:schwaben, einer neuen Zeitschrift für einen Wirtschafts- und Kulturraum in Händen, der gerade in der jüngeren Vergangenheit in seiner Bedeutung, in seiner Vitalität oft unterschätzt, ja klein geredet worden ist. In Wahrheit schlägt in Bayerisch-Schwaben ein wirtschaftlich starkes Herz. Und man beginnt sich zusehends, auf die kulturellen Schätze der Region und ihrer Vielfalt zu besinnen.“

Mit diesen Worten hatte der Gründer und frühere Herausgeber Wolfgang Oberressl die Lesenden im ersten Editorial der Ausgabe 1 begrüßt, erschienen im Juni 2006, also vor genau 20 Jahren. Seitdem widmet sich das Printmagazin den erfolgreichen Seiten der Region Bayerisch-Schwaben und dem bayerischen Teil des Allgäus.

Wir blicken zurück, so wie sich das an Geburtstagen gehört, und haben uns gefragt: Was hat sich in den vergangenen 20 Jahren in der Politik getan, in der Wirtschaft, im Tourismus, in der Kultur oder beim Sport? Selbstredend sind wir beim Blick über die Schulter noch einmal stolz, dass wir uns als Printmedium erfolgreich und lange auf dem Markt behaupten konnten und können. Wir schließen deshalb mit den Worten des Gründers aus dem Jahr 2010 nach der Verleihung des Bayerischen Printmedienpreises: „Die edition:schwaben wurde als repräsentatives Beispiel für die Kreativität und Innovationskraft der deutschen Printmedienbranche für den alle zwei Jahre bundesweit ausgeschriebenen Bayerischen Printmedienpreis nominiert. Bisherige Preisträger waren so renommierte Titel wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und das Nachrichten- magazin Focus. Ein so kleiner Verlag wie wir hat es noch nie geschafft, von der zehnköpfigen Jury aus Verlagen, Werbewirtschaft und Wissenschaft für diesen Preis nominiert zu werden. Darauf sind wir stolz.“

Gedrucktes aus Schwaben

2006 ist die Tageszeitung auf dem Küchentisch noch Usus, Anzeigen füllen die Seiten und Druckereien verzeichnen hohe Auftragslagen. Zwanzig Jahre später hat die Digitalisierung dem Print-Bereich zugesetzt. Wegbrechende Werbung, sinkende Auflagen – das Medium Print ist im Wandel.

Jürgen Schmid (Text)

Gedruckte Nachrichten verkaufen sich nicht mehr gut. Branchenkenner unken, das Marktsegment „Tageszeitung auf Papier“ befinde sich im freien Fall. Zwei Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 1991, im Jahr nach der Wiedervereinigung, erreichten sämtliche Tageszeitungen in Deutschland zusammengenommen eine Auflage von 27,3 Millionen Exemplaren – inzwischen geht es scheinbar unaufhaltsam unter die 10-Millionen-Marke.

MONOPOL MIT TUPFERN

Als Tageszeitung hält die Augsburger Allgemeine in der Region mit ihren Heimatzeitungen und der ebenfalls zum Verlagshaus Presse Druck gehörenden Allgäuer Zeitung weiterhin ein uneingeschränktes Monopol (Gesamtauflage 265.000 Exemplare täglich für 1,9 Millionen Bewohner des Regierungsbezirks). Daneben gibt es Magazine mit Auflagen um 10.000, die monatlich bzw. mehrfach im Jahr erscheinen wie Augsburg Journal, top schwaben oder edition:schwaben.

KRISENSIGNALE UND KETTENREAKTIONEN

Trotz noch verhältnismäßig hoher Auflagenzahl gehört der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, Peter Müller, zu jenen in der Branche, die Alarm schlagen. Er fordert die Streichung der Mehrwertsteuer für das Produkt Zeitung. Hintergrund: Zwischen 2014 und 2024 haben sich durch stete Erhöhung des Mindestlohns die Zustellkosten nahezu verdoppelt. Laut Zeitungsverlegerverband wird die Zustellung bald in nahezu jedem zweiten Ort wirtschaftlich nicht mehr tragbar sein. Wie lange kann das Vertriebssystem unter diesen Umständen noch aufrechterhalten werden?

Nicht nur politische Entscheidungen wie die Höhe des Mindestlohns lösen Domino-Effekte aus. Auch die Spirale aus Energiepreis-Explosion und Bürokratisierung mittels Lieferkettengesetz verursacht eine zunehmende „Belastungswirkung“ (O-Ton der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände). Bricht die Printauflage der Zeitungen ein (auch, weil Werbekunden ins Digitale abwandern), verschlimmert sich das Druckereien-Sterben; Druckmaschinen sind weniger nachgefragt; die Produktion der Papierindustrie halbiert sich – mit Folgen.

ADERLÄSSE

In der einst führenden Drucker- und Verlagsstadt Augsburg gehen in letzter Zeit immer mehr Lichter aus: Weltbild-Insolvenz in zwei Schritten (2014/2024), der etappenweise Niedergang der MAN-Druckmaschinensparte, Streichung von Arbeitsplätzen und Maschinenstilllegung beim Papierhersteller UPM (ehemals Haindl) in Augsburg und Schongau. Und es drohen weitere Werksschließungen der Papierindustrie wie jüngst im Unterallgäuer Ettringen.

DIGITALISIERUNG

Die Branche versucht sich einzureden, eine beschleunigte Digitalisierung – sowohl hinsichtlich von KI-Einsatz in der redaktionellen Arbeit als auch bezüglich der Bevorzugung von E-Papers statt Print-Ausgaben – wäre das Allheilmittel. Ob diese Strategie geeignet ist, einen Rettungsanker auszuwerfen oder eher die Selbstabschaffung der Redaktionen beschleunigt, wird die nähere Zukunft zeigen.

Zwischen Optimismus und Zumutung

Das Jahr 2006 war in der Politik ein Jahr der Gegensätze: in Deutschland, in Bayern und auch in Bayerisch-Schwaben. Bei Firmen wie EADS, heute Airbus, wuchs die Sorge um Arbeitsplätze. Und als die CSU im Oktober in der Augsburger Schwabenhalle zu ihrem Parteitag zusammenkam, wirkte dieser wie ein Seismograf für die angespannte und von wirtschaftlicher Unsicherheit geprägte Stimmung im Land.

Eva Hampl (Text)

In Deutschland brachte Angela Merkel ihr erstes volles Jahr als Bundeskanzlerin hinter sich. Die große Koalition aus Union und SPD versprach zwar Stabilität, verlangte aber viel: Mit der Anhebung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent beschloss sie die größte Steuererhöhung seit 1949. Die Zustimmung zur Regierung schwankte laut ARD-Deutschland-Trend entsprechend stark.

In Bayerisch-Schwaben und im Allgäu gab vielerorts die CSU den Ton an, kommunalpolitisch war die Region bürgerlich-konservativ geprägt. Nur im Augsburger Rathaus mit Paul Wengert und in Memmingen mit Ivo Holzinger saßen zwei Sozialdemokraten auf dem Oberbürgermeister-Stuhl. Weitere Ausnahmen: Johann Fleschhut, seit 2002 Landrat, setzte im Ostallgäu starke Akzente. In Dillingen war Leo Schrell seit 2004 Landrat. Und Hans-Joachim Weirather gewann 2006 im Landkreis Unterallgäu den Chefsessel im Landratsamt. Alle drei waren Freie Wähler.

Erwähnt sei an dieser Stelle, dass man sich im Allgäu besonders zukunftsorientiert zeigte: Man installierte mit der Allgäuer Regional- und Investitionsgesellschaft mbH ein schlagkräftiges Instrument für regionale Standortpolitik, entwickelte die Marke Allgäu weiter und stellte sich konkrete Zukunftsfragen: „Wie bleiben Kliniken bezahlbar? Wie stärkt man den Tourismus, die Landwirtschaft und den Mittelstand?“

SPD FÄHRT 2006 BEREITS ABWÄRTS: RINGEN UM WORTE STATT UM SITZE

Unabhängig von der SPD-Insel in Augsburg war die Lage der SPD problematisch. Als „notorische Verliererpartei“ bezeichnete sie die Presse. Zu Recht, wie sich zeigte. Unabhängig von inhaltlichen Kapriziositäten zählte die Partei schrumpfende Mitgliederzahlen und Verluste. 2003 holte die SPD bei der Landtagswahl in Bayern mit 19,6 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 1945. Bis dahin stellte sie unumstritten die Oppositionspartei. Nun forderte das erstarkende Bündnis 90/Die Grünen diese Rolle vielerorts heraus.

Blick auf das Augsburger Rathaus
Das Augsburger Rathaus: Hier regierte 2006 Oberbürgermeister Paul Wengert von der SPD. Die Sozialdemokraten stellen auch 2026 den neu gewählten OB – Dr. Florian Freund. (Foto: Daniel Biskup)


Hatten die Grünen in Bayern in den konservativen Denkgewässern der CSU-Wählerschaft anfangs einen schweren Stand, etablierten sie sich 2006 in der Parteienlandschaft als eine wache Oppositions- und Themenkraft. Noch 2002 erhielt das Bündnis 90/Die Grünen bei den bayerischen Kommunalwahlen nur 5,7 Prozent der Stimmen und 874 Sitze. 2008 waren es bereits 1.361 Sitze und ein Stimmenanteil von 8,2 Prozent. In Augsburg gehörte die Partei bereits während der Wengert-Zeit zur regierenden Regenbogenkoalition und prägte kommunale Themen. Bundesvorsitzende Claudia Roth machte sich damals mit dem langjährigen grünen Stadtrat Reiner Erben für umwelt- und sozialpolitische Themen stark.

„WINKEND AUF DEM SONNENDECK“ – CSU IN BAYERN

2006 ein Jahr des Wandels: Die CSU strahlte zwar nach wie vor hell, war im bayerischen Landtag mit der absoluten Mehrheit vertreten und stärkste Kraft im Bezirkstag sowie in den meisten Kommunalparlamenten. Doch unter der Oberfläche wurden 2006 erste Risse deutlich sichtbar. Edmund Stoiber stand noch an der Spitze der bayerischen CSU. Er fiel aber durch zähen Widerstand bei der Gesundheitsreform auf, kämpfte in Berlin um Einfluss und erlangte außerdem unfreiwillig Ruhm mit einem Exkurs über den „Problembär Bruno“, der im Juni in Bayern wilderte. Unwissentlich charakterisierte er bereits damals seinen eigenen rasanten Abstieg – ausgelöst unter anderem durch eine Bespitzelungsaffäre, der 2007 mit seinem Rückzug aus dem Amt endete: „Wir haben einen Unterschied zwischen dem normal sich verhaltenden Bär, dem Schadbär und dem Problembär. Es ist ganz klar, dass dieser Bär ein Problembär ist.“ (Edmund Stoiber, Ministerpräsident Bayern, 2006)

DIE REPUBLIKANER WAREN KEINE GEFAHR MEHR

„In die Geschichte als Widerstandskämpfer gegen Feigheit, Faulheit und Korruption“ wollte Franz Xaver Schönhuber in den 80er Jahren noch eingehen. Der Fernsehjournalist, bekannt für zugespitzte Aussagen, gründete 1983 die rechtskonservative Partei „Die Republikaner“ gemeinsam mit zwei ehemaligen CSU-Bundestagsabgeordneten als Protest gegen Franz-Josef Strauß, den damaligen CSU-Vorsitzenden. Anfang der 90er Jahre erzielte die Partei zwar einige spektakuläre Wahlerfolge auf Europa- und Landesebene, ihr Programm galt aber nach Einschätzung der Bundeszentrale für politische Bildung stets als radikal nationalistisch und rassistisch. Im Laufe der Jahre 2006/2007 stellte der Verfassungsschutz die Überwachung der Partei „Die Republikaner (REP) sukzessive ein, da sie inzwischen politisch bedeutungslos war. Die rechte Mobilisierung verlagerte sich allerdings nur. In den 2000er Jahren geraten dann die Jungen Nationaldemokraten (JN), die offizielle Jugendorganisation der NPD oder autonome Nationalisten in der Region Ulm/Biberach verstärkt in den Fokus.

BAYERNS PARTEIENLANDSCHAFT WIRD VIELFÄLTIGER

Von 2006 bis 2026 veränderte sich die politische Landschaft in Bayerisch-Schwaben deutlich. Aus dem lange prägenden Zweiparteiensystem mit CSU und SPD entstand ein fragmentierteres und pluralistischeres Spektrum. Die CSU verlor nach dem Rekordergebnis von 2003 mit kurzen Unterbrechungen kontinuierlich an Rückhalt. Ergebnisse unter 40 Prozent waren das neue Normal. Dennoch blieb die bürgerlich-konservative Partei weiter stärkste Kraft in Bayern.

Parallel dazu wuchsen neue Kräfte heran: Die Freien Wähler entwickelten sich von einer kommunalen Interessenvertretung zu einer festen Größe im bayerischen Landtag. Johann Fleschhut war zwölf Jahre lang Landrat und stand bis 2014 an der Spitze des Landkreises Ostallgäu. Hans-Joachim Weirather brachte es im Landkreis Unterallgäu sogar auf eine 14-jährige Amtszeit. In Augsburg zogen die Freien Wähler 2020 mit 4,5 Prozent der Stimmen als Fraktion in den Stadtrat ein.

Die SPD erlebte weiterhin einen beispiellosen Niedergang. Sie schrumpfte in den letzten 20 Jahren von einer Volkspartei zu einer kleinen Oppositionspartei. Überraschend gewann in Augsburg Dr. Florian Freund 2026 die Oberbürgermeister-Wahl, mit einem programmatischen Fokus auf soziale Politik und eine starke Mitte.

„DIE BLAUE WELLE“: AFD SETZT SICH FEST

Die Grünen entwickelten sich wiederum zur stärksten Kraft im liberal-ökologischen Spektrum. Vor allem in den städtischen Gebieten etablierten sie sich häufig als zweitstärkste Kraft und können sich über engagierte Mitglieder freuen. Mit über 2.200 Kandidierenden trat das Bündnis zur Kommunalwahl im März 2026 an. Die AfD, 2013 gegründet, hielt 2018 erstmals Einzug in den bayerischen Landtag und festigte im Lauf der Jahre ihre Position. 2023 wurde sie drittstärkste Kraft in Bayern. Auch 2026 verzeichnete die AfD die meisten Zugewinne bei den Kommunalwahlen. Sie gewann zwar keine herausragenden Posten, setzte sich aber flächendeckend weiter fest.

Die Region Bayerisch-Schwaben bleibt also weiter bürgerlich-konservativ geprägt, die Zeiten der CSU-Alleinregierung sind aber vorbei.

„GUTE ERREICHBARKEIT UND REGIONALES SELBSTBEWUSSTSEIN“

Dr. Ivo Holzinger ist von 1980 bis 2016 Oberbürgermeister der Stadt Memmingen gewesen. Niemand sonst war in Deutschland so lange Oberbürgermeister wie er.

Eva Hampl (Text) und Daniel Biskup (Foto)

Herr Dr. Holzinger, wie würden Sie die Wirtschaftsregion Memmingen-Unterallgäu während Ihrer Amtszeit charakterisieren?

Memmingen war historisch immer in einer besonderen Lage: an der Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg, mit starken Verkehrsachsen, aber auch mit einer gewissen Randlage innerhalb Bayerns. Daraus ergab sich früh die Notwendigkeit, über die eigene Stadt hinauszuschauen. Der Landkreis Unterallgäu und die Stadt Memmingen haben in vielen Bereichen voneinander profitiert. Es ging darum, gemeinsame Chancen zu erkennen und sie auch gemeinsam zu nutzen.

Dr. Ivo Holzinger vor dem Rathaus in Memmingen.

Welche Chancen waren das?

Besonders wichtig war, dass die Region wirtschaftlich stärker wurde und ihre Lage zwischen München, Stuttgart, Ulm und dem Bodensee besser ausspielen konnte. Das Unterallgäu hat sich in dieser Zeit zu einem Raum entwickelt, der nicht nur von Landwirtschaft und mittelständischer Struktur geprägt war, sondern zunehmend auch von starker Wirtschaft, guter Erreichbarkeit und regionalem Selbstbewusstsein.

Welche regionalen Infrastrukturprojekte waren dabei besonders wichtig?

Von besonderer Bedeutung waren aus meiner Sicht vor allem drei große Infrastrukturthemen: der Flughafen Memmingen, die Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Memmingen-Zürich und der Ausbau der Straßenverbindungen.

Der Flughafen Memmingen war ein ganz zentrales Projekt für die gesamte Region. Als der militärische Standort aufgegeben wurde, stand zunächst die Frage im Raum, was mit diesem Gelände geschehen sollte. Für die Stadt allein wäre ein solches Projekt nicht zu stemmen gewesen, zumal das Gelände im Landkreis liegt. Deshalb war es entscheidend, dass Wirtschaft, Stadt und Landkreis gemeinsam Verantwortung übernommen haben. Die Stadt hat unterstützt, die Wirtschaft wurde aktiv, und am Ende ist daraus ein Projekt entstanden, das weit über Memmingen hinaus Bedeutung gewonnen hat.

Dasselbe gilt ja auch für die Bahn.

Ja, die Elektrifizierung der Strecke München-Memmingen-Zürich war ein Projekt, für das über Jahrzehnte gearbeitet und gekämpft wurde. Diese Verbindung ist für das Allgäu und das Unterallgäu von großer Bedeutung, weil sie die Region besser an große Wirtschaftsräume anschließt. Sie stärkt nicht nur Memmingen, sondern den gesamten Raum zwischen München, Stuttgart, Ulm und Bodensee. Dazu kam der Straßenbau. Gute Straßenverbindungen waren und sind für eine wirtschaftlich starke Region unverzichtbar. Entscheidend war immer, die Region nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines größeren süddeutschen und europäischen Verkehrsraums.

Sind das die Projekte Ihrer Amtszeit, auf die Sie besonders stolz sind?

Es gibt nicht das eine Projekt, auf das ich allein stolz wäre. Besonders wichtig war mir, dass Memmingen in diesen Jahrzehnten seine wirtschaftliche Stärke bewahren und ausbauen konnte. Wir hatten eine starke mittelständische und industrielle Basis, und es war mir ein großes Anliegen, diese Unternehmen in der Stadt zu halten, sie bei Investitionen zu unterstützen und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Sehr wichtig war mir aber auch die Innenstadt und das kulturelle Leben. Memmingen hat eine besondere historische Substanz und eine starke kulturelle Achse – von St. Martin über das ehemalige Kloster bis hin zur MEWO Kunsthalle und zum Bahnhof. Diese Innenstadt muss funktionieren, sie muss lebendig bleiben und sie muss ihre Geschichte zeigen können.

Wenn Sie jetzt zurückblicken: Wie hat sich das Leben als Politiker in den letzten 20 Jahren verändert?

Zu Beginn meiner Amtszeit 1980 gab es die ersten Autotelefone, die mehr schlecht als recht funktionierten. Man war auf Funk oder Festnetz angewiesen. Heute im digitalen Zeitalter und mit Social Media ist man online immer und überall und sofort erreichbar. Das habe ich gerne als technisches Hilfsmittel in Anspruch genommen. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass das Gegenüber auch stets eine sofortige oder schnelle Antwort erwartet, was in den meisten Fällen gar nicht möglich ist. Das führt zu Frustration und Enttäuschung bei der Bürgerschaft. Das muss man in den Griff kriegen. Ich glaube, dass es deshalb auch in Zukunft wichtig ist, dass der Politiker, insbesondere der Kommunalpolitiker den direkten Kontakt zur Bürgerin und zum Bürger nicht verliert. Was diesen Kontakt angeht, stelle ich fest, dass es hier hapert.

Was heißt das für die Zukunft?

Für mich gilt daher auch im digitalen Zeitalter, dass die Politik den ,analogen Kontakt‘ nicht verlieren darf, sondern ihn weiter pflegen muss. Das ist heute noch wichtiger als zu meiner Zeit. Mit einfachen Worten: Erfolgreiche Kommunalpolitiker und Kommunalpolitikerinnen müssen raus zu den Menschen, nicht nur bei Festen, besonderen Anlässen und ausgewählten Diskus- sionen, sondern gerade auch im tagtäglichen Leben.

Comeback auf Raten


Ein tiefgreifender Strukturwandel zeigt sich in der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft von 2006 bis 2026. Weg von Traditionsunternehmen hin zu Forschung, Spezialtechnik und dem Mittelstand.

Eva Hampl (Text)

GENERELL UNTERSCHÄTZTES AUGSBURG

Augsburg trägt 2006 noch schwer an alten vorgefassten Bildern: „Augsburg an der Jammer“ ist eine gängige Münchner Wendung für den Wirtschaftsstandort Augsburg und auch das Bild vom „deutschen Manchester“ haftet der Stadt an, mit Bezug auf die Textilgeschichte, die Industrie und den Strukturwandel. Doch ganz so grau ist die Lage nicht mehr: Der damalige Vorstands- vorsitzende von Kuka, Gerhard Wiedemann, hielt 2006 dagegen: „Der Standort Augsburg kann sich durchaus sehen lassen.“ Die bayerischen Schwaben würden generell unterschätzt.

Zu Recht, denn im Gründungsjahr der edition:schwaben, befindet sich die deutsche Wirtschaft in einem kräftigen Aufschwung. Die konjunkturelle Hochphase strahlt auf den Arbeitsmarkt aus und die Arbeitslosigkeit sinkt. Die Stimmung in der Region ist gut. Traditionsunternehmen wie die Kuka AG, MAN, die Renk Group, Osram oder Dierig verzeichnen steigende Auftragszahlen. Die Region will sich in der Luft- und Raumfahrttechnik stärker profilieren, mehr Forschung über außeruniversitäre Forschungsinstitute soll dabei helfen. „Das Augsburger Land boomt“, bemerkt der damalige Landrat Karl Vogele (CSU) und bezieht sich unter anderem auf SGL Carbon in Meitingen, die acht Millionen Euro in ein Forschungszentrum investiert, sowie die geringe Arbeitslosigkeit und mehr als 200 Millionen Euro Investitionen in den Gewerbebau in den Jahren 2006 und 2007.

ÖKONOMISCHES WINTERMÄRCHEN IM ALLGÄU

Doch Bayerisch-Schwaben ist mehr als nur Augsburg. Im Allgäu zeigt sich eine zweite wirtschaftliche Entwicklung. Die Region ist weniger großindustriell geprägt – eher mittelständisch, exportorientiert und touristisch. Die IHK Westallgäu spricht rückblickend von einem „ökonomischen Wintermärchen“ und meint damit den unerwartet starken Konjunkturaufschwung. Unternehmen wie Demmel, Metzeler Automotive Profiles oder Liebherr-Aerospace stechen heraus. Die Hundegger Maschinenbau GmbH wird als „Bayerns Best 50“-Unternehmen ausgezeichnet.

WIRTSCHAFTSFREUNDLICHE GEMEINDEN IM NORDEN BAYERISCH-SCHWABENS

Donau-Ries, Dillingen, Günzburg und die nördlichen Ausläufer des Bezirks wirken weniger sichtbar, sind aber wirtschaftlich stabil und mittelständisch geprägt. Nördlingen erhält beispielsweise 2006 den Bayerischen Qualitätspreis als „wirtschaftsfreundliche Gemeinde“. Die Wachstumsgeschichten aus der Region zeigen sich auch an den vielen mittelständischen Betrieben wie Destilla oder Döderlein in Nördlingen.

20 JAHRE ERHEBLICHER VERÄNDERUNGEN

Der Wandel der letzten zwei Jahrzehnte ist tiefgreifend. Von 2006 bis 2026 erlebten die Traditionsunternehmen MAN Energy Solutions, Siemens (Schließung Fujitsu-Siemens-Werk 2002) und Renk Krisen und Stellenstreichungen. Auch Zulieferer wie Forvia Faurecia kämpfen mit dem Wandel zur E-Mobilität und mussten Stellen abbauen. Weitere Firmenpleiten wie in der Druckmaschinenbranche bei manroland führten zu Arbeitsplatzverlusten. Augsburg hat sich seitdem vom klassischen Industriestandort stärker in Richtung Automation, Luft- und Raumfahrt, Umwelttechnologie, Faserverbund und Forschung positioniert. Nordschwaben behauptet sich als industriell-mittelständischer Raum mit Hidden Champions und das Allgäu verbindet weiter Tourismus und internationale Mittelständler.

2026 zeigt die Wirtschaft für den Wirtschaftsraum Augsburg und das Allgäu ein leicht verhaltenes Wachstum, der Konjunkturindex liegt über 100 Punkten, auch in Nordschwaben. Bayerisch-Schwaben streift seine industrielle Vergangenheit ab und schreitet voran, weg vom „Jammer“ hin zu Spezialtechnik, Forschung, regionalen Marken und dem Mittelstand.

Zahlen und Fakten zur Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben

3,7 Prozent Arbeitslosigkeit gibt es im April 2026 in Schwaben. Zum Vergleich: 2006 lag die Zahl bei 6,6 Prozent.

Rund ein Drittel der bayerisch-schwäbischen Wirtschaftskraft wird im Wirtschaftsraum Augsburg generiert.

146.509 Unternehmen sind 2026 Mitglied der IHK Schwaben.

„EINE SCHLÜSSELROLLE SPIELEN HEUTE: AUTOMATISIERUNG UND DIGITALISIERUNG.“

Die Hans Hundegger AG wurde 2006 als „Bayerns Best 50“ vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie ausgezeichnet. Heute prägt der Allgäuer Maschinenbauer digitale Produktionsprozesse im Holzbau. Vorstand Rainer Auerbacher über das inzwischen international ausgerichtete Unternehmen.

Wo stand die Hans Hundegger AG technologisch und wirtschaftlich im Jahr 2006?

Im Jahr 2006 war die Hans Hundegger AG technologisch bereits klar als Pionier in der CNC-gesteuerten Holzbearbeitung positioniert. Mit Abbundanlagen haben wir Maßstäbe in Präzision, Zuverlässigkeit und Automatisierung gesetzt. Gleichzeitig befand sich die Digitalisierung noch in einer frühen Phase. Unser Fokus lag klar auf der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Maschinenleistung und der praktischen Anwendung im klassischen Holzbau. Der Markt war insgesamt noch deutlich kleiner und weniger industrialisiert. Der Holzbau war zwar im Aufschwung, Themen wie nachhaltiges Bauen oder CO2- Reduktion waren aber noch keine zentralen Treiber.

Josef Hundegger, Vorstandsvorsitzender, und Vorstand Rainer Auerbacher (v.l.) vor einem Holztisch
Hawangen, Vorstand Rainer Auerbacher (rechts) und Josef Hundegger (Foto: Daniel Biskup)

Was hat sich in der Branche Holzbau seit 2006 getan?

Die Holzbaubranche hat sich seit 2006 grundlegend verändert. Während der Holzbau damals zwar bereits etabliert war, hat er sich in den vergangenen Jahren zu einem echten Wachstums- und Zukunftsmarkt entwickelt. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem die Themen Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Klimaschutz. Parallel dazu hat sich die Branche stark industria- lisiert. Viele Betriebe haben sich von handwerklich geprägten Strukturen hin zu hochmodernen, industriell arbeitenden Produktionsunternehmen entwickelt. Eine Schlüsselrolle in dieser Entwicklung spielen Automatisierung und Digitalisierung.

Wie wirken sich die derzeitigen Krisen auf Ihr Unternehmen aus?

Gerade die Baubranchenkrise führt in bestimmten Phasen zu einer gewissen Zurückhaltung bei Investitionen. Gleichzeitig sehen wir aber, dass unsere Kunden genau in solchen Zeiten verstärkt nach Lösungen suchen, um effizienter, wirtschaftlicher und unabhängiger zu produzieren. Grundsätzlich lässt sich sagen: Krisen fordern uns, aber sie verändern auch den Blick auf das Wesentliche. Als mittelständisch geprägtes Unternehmen mit langfristiger Ausrichtung haben wir die Stabilität und die Flexibilität, um auf solche Situationen zu reagieren.

Tourismus im Wandel

Ein kommerzieller Passagierflughafen, zwei UNESCO-Auszeichnungen sowie stärkere regionale Vernetzung – in den letzten zwanzig Jahren hat sich der Tourismus in Bayerisch-Schwaben professionalisiert. Das zeigt sich auch in den Zahlen. Seit 2006 sind die Gästeankünfte um rund 70 Prozent gestiegen, von etwa 3,5 Millionen auf rund 6 Millionen Besucher im Jahr 2025.

DER FLUGHAFEN MEMMINGEN ALS NEUER VERKEHRSKNOTENPUNKT

Für die Etablierung des Allgäus als (inter-)national beliebte Tourismusregion ist sicherlich auch der Flughafen Memmingen mit verantwortlich, der Mitte der 2000er-Jahre entstand. Im Jahr 2006 war der Standort im Unterallgäu noch stark von seiner militärischen Vergangenheit geprägt und befand sich erst am Beginn des Umbaus für den zivilen Luftverkehr. Internationale Anbin- dungen liefen zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich über München oder Nürnberg. Mit der Öffnung für den Passagierverkehr im Jahr 2007 begann jedoch ein schneller Wandel. Bereits wenige Monate nach Start des zivilen Betriebs wurde der hunderttausendste Passagier begrüßt. Der Flughafen entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Regionalflughafen, insbesondere durch das Wachstum von Low-Cost-Airlines wie Ryanair oder Wizz Air. Mit steigenden Passagierzahlen wurde auch die Infrastruktur stetig erweitert etwa durch den Terminalausbau, zusätzliche Abfertigungskapazitäten sowie neue Park- und Verkehrsflächen. Gleichzeitig nahm die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens für die Region zu. Heute ist er ein fester Bestandteil der regionalen Verkehrsinfrastruktur und spielt eine wichtige Rolle für den Tou- rismus im Allgäu und in Bayerisch-Schwaben.

Der Geschäftsführer vom Flughafen Memmingen Ralf Schmidt vor einem Flugzeug.
Ralf Schmid ist seit 2002 Geschäftsführer des Allgäu Airports Memmingen.

TOP TOURISMUSDESTINATIONEN

Jährlich zieht es Millionen Besucher ins Allgäu. Das Schloss Neuschwanstein besuchen jährlich etwa 1,4 Millionen Menschen aus der ganzen Welt. Es verwundert daher nicht, dass die Landkreise Ober- und Ostallgäu bei Touristen am beliebtesten sind. Auf Rang drei der Gästeankünfte liegt die mit Brunnen geschmückte und in der Altstadt von kleinen Kanälen durchzogene Stadt Augsburg. Für dieses einzigartige Wassermanagement-System wurde die schwäbische Hauptstadt 2019 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Bereits 2006 gehörten diese drei Regionen zu den Tourismusmagneten in Bayerisch-Schwaben. Den bayerisch-schwäbischen Teil des Allgäus besuchten damals rund 1,9 Millionen Menschen. 2025 waren es mehr als 3,5 Millionen Besucher, was einem Anstieg von 84 Prozent entspricht. Damit entfallen fast 60 Prozent der Gästeankünfte in Bayerisch-Schwaben auf das Allgäu.

FLUGHAFEN ZWISCHEN KLIMAZIELEN UND ZUKUNFTSFRAGEN

Gleichzeitig steht der Flughafen vor neuen Herausforderungen. Steigende Energie- und Betriebskosten sowie der wachsende Fokus auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit prägen die aktuelle Entwick- lung. Der Flughafen verfolgt daher Programme zur Reduktion von Emissionen und hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen stellt sich zunehmend die Frage, wie sich der Standort langfristig weiterentwickeln wird.

DAS ALLGÄU ALS MARKE

Wer an das Allgäu denkt, der hat sofort ein Bild im Kopf. Schneeweiße Gipfel zum Skifahren im Winter, grüne Wälder und Almen zum Wandern und Radfahren im Frühjahr und Sommer. Auf dem Gipfel wird man nicht nur mit einem unvergleichlichen Ausblick, sondern auch mit kulinarischen Schmankerln wie Schnitzel, Kässpatzen und Kaiserschmarrn belohnt. Vielleicht fällt einem auch das prominente blaue Allgäu-Logo mit weißem Schriftzug ein. Es wurde vor zwanzig Jahren von der Allgäu Marketing GmbH eingeführt, die 2010 in die Allgäu GmbH überging. Die Allgäu GmbH ist für den touristischen Erfolg der Region maßgeblich. Sie hat es geschafft, die Landkreise des Allgäus zu vernetzen und einen Markenkern für die Region auszuarbeiten. 2012 erhielt die Regionalmarke Allgäu die Auszeichnung zur Superbrand als eine der besten Marken Deutschlands. Das spiegelt sich auch in den Besucherzahlen wider, die jährlich steigen.

20 JAHRE NATIONALER GEOPARK RIES

Der Landkreis Donau-Ries im Norden von Bayerisch-Schwaben ist zwar bei Touristen noch weniger bekannt, kann aber seit Jahren Zuwächse deutlich über dem Landesschnitt verzeichnen. Dabei hat hier vor 15 Millionen Jahren ein einzigartiges Ereignis stattgefunden, welches die Region bis heute sichtbar prägt: der Einschlag von einem Meteoriten. Der dabei entstandene Krater war der Auslöser, der diese Region zunächst in der internationalen Forschung und später bei Touristen bekannt machte. „Blickt man vom All auf das Donau-Ries, so lassen sich ringförmige Strukturen erkennen“, erklärt Heike Burkhardt, Biologin und Geschäftsführerin des Geopark Ries e.V. „Auf diese Strukturen ist die NASA in den 1960er Jahren aufmerksam geworden.“

APOLLO 14 CREW TRAINIERT IM RIES

Die NASA bereitete sich damals gerade auf ihre Mondmissionen vor und ging davon aus, dass die Krater auf dem Mond nicht nur von Vulkanen, sondern auch von Himmelskörpern stammen. Sie suchte daher auf der Erde nach vergleichbaren Strukturen. Bisher war nur der Barrington-Krater in der Wüste von Arizona bekannt. Schnell vermuteten die Wissenschaftler der NASA, dass auch im Ries ein Himmelskörper für den Krater verantwortlich war – und kein Vulkan, wie Geologen bisher angenommen hatten. „Das Ries war damit weltweit die zweite Ringstruktur die entdeckt wurde“, erzählt Burkhardt. Aufgrund seiner Größe und geologischen Beschaffenheit absolvierten die Astronauten der Apollo 14 Mission ihr geologisches Training deshalb im Rieskrater.

GRÜNDUNG DES GEOPARKS RIES

Wissenschaftlich ist das Ries extrem bedeutend. Zum einen, weil es ein sehr komplexer und gut erhaltener Krater ist. Zum anderen, weil das Ries einer der Hotspots für Befunde der Menschheits- geschichte ist“, sagt Burkardt. Diese wissenschaftliche Bedeutung sollte auch den Bürgern und Touristen nähergebracht werden, weshalb sich der ehemalige Landrat von Donau-Ries, Stefan Rößle (CSU), für eine Bewerbung als Nationaler Geopark einsetzte. Mit der Bewerbung gingen auch einige Anforderungen einher, so musste das Gebiet genau definiert und ein passender Name gefunden werden. „Wir haben den Krater mit seinen gesamten Auswurfsmassen betrachtet. Denn an den Auswurfsmassen erkennt man die geologischen Auswirkungen viel besser“, sagt Burkhardt. Das gesamte Gebiet ist ein flaches Becken von etwa 25 Kilometern Durchmesser, welches einen Großteil des Landkreises Donau-Ries sowie einen kleinen Teil des Landkreises Dillingen a.d. Donau und des baden-württembergischen Ostalbkreis und Heidenheim umfasst. „Wir haben uns für den kürzesten Namen entschieden, um ein möglichst großes Gebiet anzusprechen“, erinnert sich Burkhardt, die zusammen mit dem langjährigen Geschäftsführer Günther Zwerger von Anfang an dabei war.

Bei der Bewerbung ging es auch darum, die Region für Einwohner und Touristen zu erschließen. So entstanden seit der Gründung 2004 zahlreiche Lehr- und Themenpfade zum Radfahren und Wandern, die an Geotopen entlangführen. Geotope sind Gebilde unbelebter Natur, die Einblicke in die Entstehung der Erdgeschichte geben. Das Team des Geoparks hat es ermöglicht, dass mittlerweile 39 Geotope besichtigt werden können.

AUSZEICHNUNG ALS UNESCO GLOBAL GEOPARK

Im Jahr 2022 wurde der Geopark Ries als UNESCO Global Geopark ausgezeichnet. Dem ging eine ganz intensive Bewerbungsphase voraus, die bereits 2016 begann. „Vor einem weltweiten Entscheidungsgremium mussten wir die Besonderheit des Rieses nachweisen“, sagt Burkhardt, was schließlich auch gelang. 2026 feiert der Nationale Geopark Ries nun sein 20-jähriges Jubiläum der Auszeichnung als Nationaler Geopark mit einer Social Media-Aktion und zahlreichen Vorträgen und Veranstaltungen.

Beliebte Tourismus-Attraktionen

Insgesamt sind seit 2006 in Bayerisch-Schwaben
die Touristenzahlen gestiegen, was mit dem Ausbau von Infrastrukturen und einer Verbesserung der Tourismusangebote zusammenhängt. Das größte Wachstum verzeichnet dabei das Allgäu. Weitere beliebte Tourismusattraktionen in der Region sind neben der Stadt Augsburg, das Legoland Deutschland bei Günzburg, der Nationale Geopark Ries, Schloss Harburg im Landkreis Donau-Ries sowie die Doppel- stadt Ulm/Neu-Ulm.

Schloss Neuschwanstein Unesco-Welterbe Augsburg
Legoland Deutschland (bei Günzburg) UNESCO Global Geopark Ries
Schloss Harburg
Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm
Allgäu

3.5 Millionen Gästeankünfte im Jahr 2006
6 Millionen Gästeankünfte im Jahr 2025


EIN JAHR SPORTFIEBER 2006: GROSSE SPRÜNGE, GOLDMOMENTE UND DAS SOMMERMÄRCHEN

Während die Fußball-WM zahlreiche Menschen in ganz Deutschland begeis- terte, sorgte das Sportjahr 2006 auch in der Region für besondere Momente

Annabel Lukau und Eva Hampl (Text)

In Bayerisch-Schwaben war sportlich einiges geboten. Verena Elsenberger vom TSV Kühbach gewann im Eisstockschießen sowohl die Deutsche Meisterschaft als auch die Europameis- terschaft Mannschaft. Die U17-Juniorinnen des TSV Schwaben sicherten sich den schwäbischen Pokal und gewannen die Bayerische Hallenmeisterschaft. Besuch gab es zudem von der Augsburger Fußballlegende Uli Biesinger, der mit der WM- Siegermannschaft 1954 angetreten war, und dem dreimaligen WM-Teilnehmer Helmut Haller im Museum Oberschönen- feld zur Veranstaltung „Fußball in Bayerisch-Schwaben“.

DIE SOMMERMÄRCHEN-WM VON 2006

Natürlich hatte auch die Region das Sportfieber gepackt. Schwarz-rot-goldene Fahnen und ausgelassene Feierstimmung – die Fußball-WM hielt die Stimmung im Sommer 2006 hoch und die vielen Helferinnen und Helfer beschäftigt. Wer das Glück hatte, Tickets zu ergattern, fuhr nach München oder Nürnberg, dort waren die nächstgelegenen Austragungsorte in der Region. Für alle anderen wurde Public Viewing zum Massenphänomen: Mehr als 100.000 Zuschauende waren es in Augsburg, die zu einer 22 Quadratmeter großen Videowand in der Messe strömten. Auch die WM-Mannschaften waren in der Region präsent: Die togolesische Nationalmannschaft war während des Turniers im Hotel Waltersbühl in Wangen im Allgäu untergebracht. Parallel dazu beschäftigte sich auch die Wissenschaft mit dem Turniergeschehen: Eine Augsburger Studie wertete die Tore der WM aus und kam zu dem Ergebnis, dass der Anteil erfolgreicher Fernschüsse mit 16,4 Prozent besonders hoch war, während der Anteil an Torwartberührungen vor einem Treffer mit 4,8 Prozent einen historischen Tiefstand erreichte.

Jubelnde Menschen mit Fahnen bei der WM 2006.
Großer Jubel beim Public Viewing auch in der Region Schwaben beim Sommermärchen 2006 (Foto: Daniel Biskup)

INTERNATIONAL ERFOLGREICH: KANUTIN GRIMM UND BIATHLET GREIS

Große Erfolge feierte die Augsburger Kanutin Michaela Grimm 2006: Sie gewann den Weltmeistertitel bei den Junioren 2006 und wurde vom Bayerischen Kanu-Verband als Sportlerin des Jahres 2006 ausgezeichnet. Auch der Biathlet Michael Greis aus Füssen setzte ein Statement in 2006: Während der Olympischen Winterspiele in Turin gewann er als erster deutscher Teilnehmer im Verlauf der Spiele drei Goldmedaillen.

STEIN AUF STEIN FÜR DIE STARS DER WM

Die WM im eigenen Land inspirierte auch das Legoland Deutschland Resort in Günzburg: Aus tausenden bunten Lego-Steinen ließen sie zwölf Fußballstars wie Pelé, Franz Beckenbauer oder Zinédine Zidane erbauen. Die Figuren sollten möglichst originalgetreu entstehen, ohne die Steine in Form zu sägen. Die Modellbauer begannen damals mit der Augenpartie und arbeiteten sich von dort aus weiter vor. Für jede Büste in der sogenannten „Galerie der Fußballstars“ wurden rund 120 Arbeitsstunden benötigt. Die Galerie steht dort nach wie vor und erinnert daran, wie das Fußballsommermärchen 2006 die Menschen mitgenommen und begeistert hat.

Die Fußballer als Legofiguren von der WM 2006 im Legoland.
Die Fußballer als Legofiguren von der WM 2006 stehen noch
heute im Legoland. (Foto: Legoland Deutschland Resort)


JAHRHUNDERT-EREIGNIS: FCA BRICHT AUF IN EINE NEUE WELT

Die Presse überschlug sich 2006, als dem FC Augsburg in der Saison 2005/06 der Aufstieg in die 2. Bundesliga gelang. Nach 23 Jahren im Amateurfußball war der Weg zurück in den Profibereich ein wahrhaft besonderes Ereignis. „Den Standort etablieren“ wollte der damalige Manager Andreas Rettig im Anschluss und das Potenzial der Fußballstadt ausbauen, so startete 2006 die strukturelle Neuausrichtung des Vereins. Und tatsächlich schaffte der FCA fünf Jahre später, also im Jahr 2011, den zweiten Aufstieg, diesmal in die 1. Bundesliga, in der er seitdem ununterbrochen spielt. Zum 20-jährigen Jubiläum wurde dementsprechend gefeiert: Die ehemalige Mannschaft aus dem Aufstiegsjahr sowie frühere Mannschaftsärzte und Trainer kamen zusammen, um das 20-jährige Jubiläum dieses Meilensteins in der WWK-Arena zu feiern.

20 JAHRE KUNST UND KULTUR: DIVERSER, DIGITALER, DYNAMISCHER

Die kulturelle Landschaft in Bayerisch-Schwaben hat sich seit 2006 tiefgreifend verändert – von einer eher traditionell geprägten Museums- und Theaterlandschaft hin zu einer vielfältigen, hybriden und stark von der freien Szene geprägten Kulturregion.

Julia Linckh und Nina Probst (Text)

2006 stand Augsburg kulturell an einem Wendepunkt. Die feierliche Wiedereröffnung des Schaezlerpalais, dem Haupthaus der Kunstsammlungen und Museen Augsburg, nach zweijähriger Restaurierung, markierte symbolisch den Beginn einer Phase intensiver Modernisierung. Die Arbeiten kosteten 5,7 Millionen Euro und wurden von einem wissenschaftlichen Symposium begleitet, das neue Erkenntnisse zur Baugeschichte präsentierte. Außerdem wurde im Glaspalast im selben Jahr das Zentrum für Gegenwartskunst eröffnet und damit erstmals ein großer, professionell kuratierter Ort für zeitgenössische Kunst auf kommunaler Ebene geschaffen.

Gleichzeitig dominierte in und um Augsburg zu dieser Zeit eine eher klassische Kulturlandschaft: Heimat und Gesangsvereine prägten das Bild, Museen boten überwiegend traditionelle Ausstellungen, und das Theater galt als Leitmedium. Digitale Formate spielten in dieser Zeit kaum eine Rolle. Doch das sollte sich im Verlauf der folgenden 20 Jahre ändern.

AUGSBURG ENTWICKELT SICH ZUM URBANEN KULTURZENTRUM

Mit der Eröffnung des Staatlichen Textil- und Industriemuseums tim 2010 entstand in Augsburg ein Leuchtturmprojekt, das beispielhaft für die Umwandlung industrieller Architektur in moderne Kulturorte steht. Das tim entwickelte sich bis 2026 zu einer der wichtigsten Institutionen der Region – nicht nur als Museum, sondern auch als Event- und Festivalstandort, etwa für das Brechtfes- tival. 2014 folgte das Fugger und Welser Erlebnismuseum, das den Übergang von klassischen Sammlungen zu interaktiven Formaten vorwegnahm. Ein Meilenstein war 2019 auch die Aufnahme des Augsburger Wassermanagement-Systems in die UNESCO-Welt- erbeliste. Dies führte zu mehr touristischer Aufmerksamkeit und einer stärkeren Vernetzung der Museen. Parallel begann 2010 die bis heute laufende Transformation des Gaswerks Augsburg zu einem Kultur- und Kreativquartier – ein Paradebeispiel für hybride Kulturorte, in denen freie Szene, Festivals, Ateliers und Theater- interimsnutzungen zusammenkommen.

KEMPTEN ALS KULTURELLES HERZ IM ALLGÄU

Während Augsburg seine Rolle als urbanes Kulturzentrum ausbaute, entwickelte sich im Allgäu eine ganz eigene Dynamik. Kempten etablierte sich als kulturelles Herz der Region: Das Kulturquartier Kempten mit Theater, Museen und Veranstaltungsorten wurde kontinuierlich modernisiert, und der Archäologische Park Cambodunum professionalisierte seine Vermittlungsarbeit. Festivals wie der Kemptener Jazzfrühling oder die Allgäuer Festwoche gewannen an Profil und öffneten sich stärker für Kunst, Design und Nachhaltigkeit.

Auch Memmingen spielte eine zentrale Rolle: Das Landestheater Schwaben entwickelte sich zu einem preisgekrönten Haus, das politische Themen, Diversität und digitale Formate in den Mittelpunkt rückte. Die Kulturwerkstatt Memmingen wurde zu einem wichtigen Ort für Jugend und Soziokultur. Kaufbeuren modernisierte sein Kunsthaus und Stadtmuseum, während Lindau mit der neuen Inselhalle und internationalen Kulturprojekten am Bodensee seine Bedeutung ausbaute. In Oberstdorf entstanden Formate, die Natur und Kultur verbinden – Berglesungen, OpenAir-Konzerte und Klanginstallationen, die den touristischen Charakter der Region kreativ aufgreifen.

CORONA-PANDEMIE BESCHLEUNIGT DIGITALE FORMATE

Gemeinsam ist Augsburg und dem Allgäu in dieser Zeit der deutliche Trend zur Eventisierung und Hybridisierung von Kultur. Klassische Theaterabende und reine Ausstellungen treten zu- nehmend neben Workshops, Performances, digitale Führungen, VR-Erlebnisse und Social-Media-Formate. Die Corona-Pandemie beschleunigte diese Entwicklung, ebenso der Wunsch, jüngere Zielgruppen zu erreichen. Die freie Szene gewann in beiden Regionen an Bedeutung: In Augsburg entstanden Initiativen wie Habitat e. V., Schöne Felder oder Resonanz Augsburg, während im Allgäu Off-Spaces, Künstlerhäuser und Zwischennutzungsprojekte in Kempten, Memmingen und Kaufbeuren neue kreative Räume schufen.

WEITERE FÖRDERUNG FÜR DIE KULTUR

Auch die Kulturförderung entwickelte sich weiter. Der Bezirk Schwaben investierte 2026 rund 26,7 Millionen Euro in kulturelle Aufgaben, wovon sowohl große Institutionen als auch kleinere Projekte profitieren. Ein Beispiel für moderne Förderpolitik ist die Neukonzeption des FuggerStadt Museums Weißenhorn, das derzeit barrierefrei und interaktiv umgestaltet wird. Um die Sichtbarkeit und Organisation der Branche zu stärken, wurde 2025 der Kreativ- und Kulturwirtschaftsverband Schwaben gegründet. Dieser Verein zielt darauf ab, die zahlreichen Kleinstunternehmen und Selbstständigen in der Kreativbranche zu vernetzen, Lobbyarbeit zu leisten und die wirtschaftliche Bedeutung der Kultur zu unterstreichen.

„SOMMER UNSERES LEBENS“ – MUSIK IM JAHR 2006

`54, `74, `90, 2006 – die Fußball-WM prägte nicht nur den Sport, sondern auch die Musikbranche. Doch auch sonst war 2006 musikalisch viel geboten: In Bayerisch- Schwaben bildeten musikalische Förderung und ehrenamtliches Engagement die Grundlage für ein vielfältiges Musikleben in der Region.

Annabel Lukau und Eva Hampl (Text)

FRÜH ÜBT SICH – MUSIKALISCHE FÖRDERUNG IN DER REGION

In Bayern ist die musikalische Förderung stark öffentlich geprägt: Der Freistaat investiert gezielt in Sing- und Musikschulen und en- gagiert sich über den Verband für Popkultur auch in der Förde- rung zeitgenössischer Musik. Welche nachhaltige Wirkung diese Unterstützung haben kann, zeigt das Beispiel der Geigerin Veronika Eberle aus Donauwörth. Bereits mit acht Jahren wurde sie als Jungstudentin im Richard-Strauss-Konservatorium in München aufgenommen und ist heute auf zahlreichen Bühnen zu sehen. Rund 9,7 Millionen Euro stellte der Freistaat Bayern 2006 an Mitteln bereit, um die damals 215 Sing- und Musikschulen mit über 132.000 Schülerinnen und Schülern zu fördern. Zum Vergleich: Heute sind es 224 Schulen mit über 216.000 Kindern und Jugendlichen, die eine musikalische Ausbildung erhalten. Im Doppelhaushalt 2024/25 standen dafür rund 27,65 Millionen Euro bereit. Auf dieser Grundlage entwickelte sich auch das Musikleben in Schwaben kontinuierlich weiter, getragen von Musikbegeisterten und gewachsenen Strukturen. Diese prägen bis heute das kulturelle Profil der Region.

100 JAHRE ALLGÄU-SCHWÄBISCHER MUSIKBUND

2026 feiert der Allgäu-Schwäbische Musikbund e. V. sein 100-jähriges Bestehen. Der Verband wurde 1926 mit dem Ziel gegründet, Blasmusik im ländlichen Raum zu fördern. 100 Jahre später ist daraus einer der größten und bedeutendsten Blasmusikverbände Bayerns geworden. Heute gehören 640 Musikvereine mit rund 39.000 Musikerinnen und Musikern dem Verband an. Zur Feier des Jubiläums finden über das Jahr verteilt zahlreiche Veranstaltungen an verschiedenen Orten in Schwaben statt – von Platzkonzerten über Festgottesdienste und Galakonzerte bis hin zu einem Auftritt bei der Allgäuer Festwoche.

Musizierende beim Festgottesdienst des Allgäu-Schwäbischen Musikbunds in Ottobeuren.
Festgottesdienst des Allgäu-Schwäbischen Musikbunds in Ottobeuren. (Foto: Daniel Biskup)


50 JAHRE AUGSBURGER VOKALENSEMBLE

Auch das Augsburger Vokalensemble hat 2026 Grund zum Feiern: 50 Jahre sind seit der Gründung vergangen und mit seinen etwa 45 Sängerinnen und Sängern ist das Ensemble weiterhin ein wichtiger künstlerischer Repräsentant der Stadt. Das Ensemble ist bekannt für die Aufführung anspruchsvoller Chormusik a cappella und großer oratorischer Werke wie Mozarts Requiem, Messias von Händel oder Motetten von Bach.

Wir haben viele junge Leute dazugewonnen, das ist entscheidend für die Entwicklung des Chores. Dadurch sind wir klanglich weiterhin sehr gut aufgestellt“

Alfons Brandl, Chorleiter Augsburger Vokalensemble

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