Farbenfrohe und offene Lernräume hat das Architekturbüro von Ulrike und Jochen Jakob für die Schülerinnen und Schüler der Sendener Grundschule konzipiert. Für den ökologisch und architektonisch beeindruckenden Entwurf hat das Büro nun den Architekturpreis des Bezirks Schwaben erhalten.
Turnbeutelschlaufen hängen aus den roten Fächern, Jacken und Helme baumeln von den Haken vor den Klassenzimmern. Zumindest die Garderobe erinnert an einen üblichen Schulinnenraum. Alles andere ist anders: Farbig gemusterte Teppiche liegen in öffentlichen Räumen aus, kreisförmige Raumtrenner in Türkis grenzen ansprechend designtes Sitzmobiliar ab und zahllose Topfpflanzen säumen die Treppenbereiche mit grünen Handläufen. Gelb dominiert die Badezimmer, Rot andere Sitzbereiche.
PÄDAGOGISCHE VORGABEN
Die Räume der Grundschule in Senden sind bewusst neu und anders konzipiert als die geradlinig ausgerichteten Gänge und Klassenzimmer in Reihung, die sonst schulüblich sind. Das geht nicht allein auf die Kreativität der Architekten zurück, sondern auf die Vorgabe in der Ausschreibung der Stadt Senden. Dieser lag ein pädagogisches Konzept zugrunde, das die Basis für den Konzeptentwurf von Jakob Architekten aus Krumbach bildete. „Die Klassenzimmer sollten Einheiten um zentrale Gemeinschaftsbereiche bilden, wie den Lehrerstützpunkt oder den sogenannten Marktplatz, und Kinder in diesen ‚Lernwohnungen‘ unterrichtet werden.“ So lautete eines der Kriterien des Konzepts.

„Das pädagogische Konzept war eine sehr hilfreiche Ausgangslage für den Entwurf des Grundrisses“, erzählt die projektbegleitende Innenarchitektin Christiane König. „Daraus konnten wir die Zusammenhänge und notwendigen Wechselbeziehungen der einzelnen Räume entwickeln. Wichtig ist bei einer Schule, den Entwurf von innen und außen gleichzeitig zu betrachten, um sowohl gute Raumabfolgen als auch kompakte und wirtschaftliche Baukörper zu entwickeln.“

Das Büro Jakob Architeken hatte bereits Erfahrungswerte. Es hat die Grundschule in Buxheim, die Erweiterung der Grund- und Mittelschule in Pfaffenhausen und den Erweiterungsbau der Don-Bosco-Schule in Marktoberdorf umgesetzt.
DREI INDIVIDUELLE BAUKÖRPER
Christiane König denkt als Szenenbildnerin und Innenarchitektin stark an Details und die Wirkung von Materialien: „Mir geht es schon immer um eine Inszenierung. Ich denke Textur, Beleuchtung und Grafik im Zusammenhang, um einen stärkeren Effekt zu erzielen. Da wir aufgrund der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Stadt Senden keine Kompromisse finden mussten, wirkt die Gesamtgestaltung sehr versöhnlich.“

Das Schulgebäude besteht nun aus drei Baukörpern mit unterschiedlichen Höhen, deren jeweiliger Platz- und Höhenbedarf auf die Nutzung bezogen und individuell gestaltet ist. Das dreigeschossige Lehrgebäude wurde in Stahlbetonskelettbauweise mit einer segmentgefertigten Holzfassade gestaltet und um einen einstöckigen Gebäudeteil mit Aula und einer angegliederten Einfeld-Turnhalle im Süden erweitert.
! Grundschule Senden
Kosten gesamt: ca. 23 Millionen Euro (unterstützt von Fördermitteln des Bayerischen Finanz- ausgleich-Konzepts)
Planung: Sommer 2021
Start Bauphase: Sommer 2022 Fertigstellung: 08/2024
Im Außenbereich ist das Platzangebot zwar knapp, dafür sind die Möglichkeiten für die Kinder vielfältig. Die kreative Lösung geht auf die enge Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten und Stadtplanern Bäuerle aus Stuttgart zurück, die einen Hang integ- riert, eine tiefe Ebene nutzbar gemacht und einen Spielplatz gestaltet haben. Im Inneren ermöglicht ein quadratisches, richtungsloses Design flexible Gruppen- und Einzelarbeiten. Allein der Lehrerstützpunkt wurde zentral ausgerichtet, denn so bietet er Sichtverbindungen zu den Klassenzimmern, dem Marktplatz, den Differenzierungsräumen und dem offenen Waschbereich.

Eine Besonderheit ist der mittig angelegte Infrastruktur-Kubus, der eine zweite Ebene als Chill-out-Bereich schafft. Während einer Freistunde können Schülerinnen und Schüler so auf dem Marktplatz in Rückzugsnischen zusammensitzen oder lernen. Auch die Aula dient als Aufenthaltsbereich sowie Pausenhalle und strahlt einen entsprechend repräsentativen Charakter für Feiern und Aufführungen aus.
Die Kinder freuen sich über das riesige Raumangebot, halten sich gerne auf den Treppenmöbeln auf und sind sehr glücklich mit der Begrünung in Treppenhaus und Aula. „Der Hausmeister übernimmt das regelmäßige Gießen und fühlt sich sehr dafür verantwortlich. Das ist natürlich eine Win-Win-Situation“, freut sich die Innenarchitektin.
AUF INSELN WOHLFÜHLEN
„Wir haben uns bei vielen Aufgabenstellungen gefragt, was wir als Kinder schön gefunden hätten. So fiel es leicht, die Chill-out-Area über der Küche der Mensa, Sitz- und Aufenthaltstreppenmöbel im Eingangsbereich oder die Sitzinseln in der Bibliothek zu entwickeln. Es sollte eine Wohlfühlatmosphäre mit nachhaltigen und ökologischen Baustoffen entstehen“, schildert König.

Für eine leichtere Orientierung der Schülerinnen und Schüler entwickelten die Architekten eine Gestaltung mit Grundfarben – stockwerksweise in Gelb, Rot und Türkis angelegt – und einer klaren Formensprache über die Grundformen Quadrat, Kreis und Dreieck. Im Nordcluster der jeweiligen Stockwerke bewegen sich Lehrer, Betreuer und Schüler zu den Fachräumen oder dem offenen Ganztag. Die Turnhalle hat das Architektenpaar als einen separaten Baukörper gestaltet, der baulich mit dem Lehrgebäude und der Aula verbunden ist. So konnte eine gemeinsame Nutzung der Infrastruktur ermöglicht werden.

REGIONALE MATERIALIEN OHNE SCHADSTOFFE
Da das Bauvorhaben ein Zertifikat für Nachhaltigkeit der DGNB in Silber hat, müssen alle verwendeten Materialien, Oberflächen und Baustoffe einer gewissen Qualität entsprechen. Christiane König erläutert: „Der Baustoff Holz ist von Grund auf zwar nachhaltig, aber auf die Fassade bezogen war es beispielsweise wichtig, dass die Oberfläche nicht behandelt ist. Die regionale Herkunft des verwendeten Holzes musste gewährleistet sein – in diesem Fall handelt es sich um Weißtanne aus dem Schwarzwald. Auch im Innenbereich haben wir darauf geachtet, dass Materialien verwendet werden, die keine Schadstoffe enthalten. Linoleum als Bodenbelag, Holzwolle-Deckenplatten oder Holzdeckenplatten kamen zum Einsatz.“

Der Bezirk Schwaben hat der Stadt Senden für dieses Projekt den Architekturpreis des Bezirks Schwabens 2026 verliehen. Die Jury lobte vor allem die gelungene Zusammenarbeit zwischen Architekt und Bauherr in der Grundrissentwicklung für ein neuartiges Bildungskonzept und die ansprechende architektonische Umsetzung des Schulkonzeptes.
Eva Hampl (Text) und Daniel Biskup (Fotos)
Die Leseprobe war zu kurz?

