Matthias Heck, seit 2025 Direktor der Klinik für Urologie am Augsburger Universitätsklinikum, hat schon viele Hausbesuche gemacht – bei seinen niedergelassenen Kollegen. Denn gute Zusammenarbeit ist Voraussetzung für eine optimale Versorgung der Patienten. Als Spezialist für Prostatakrebs ist Heck überzeugt: Medizinischer Fortschritt kann nur gemeinsam erlangt werden.
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern, im Frühstadium aber sehr gut heilbar. Dass Männern künftig der Weg zur Vorsorgeuntersuchung leichter fallen könnte, liegt auch an Medizinern wie Matthias Heck, der seit September 2025 Professor für Urologie an der Medizinischen Fakultät Augsburg ist. Hier kommen wissenschaftliches Arbeiten, Lehre und die Arbeit am Patienten zusammen und treiben die Entwicklung neuer Therapien und verbesserter Diagnostikverfahren voran, die beispielsweise die Früherkennung von Prostatakrebs betreffen.
„Seit 2024 ist bei uns in Deutschland die Tastuntersuchung zur Prostatakrebsvorsorge nicht mehr Standard, stattdessen wird der PSA-Bluttest durchgeführt“, sagt Heck. „Wir erhalten darüber eindeutigere Ergebnisse.“ Ein wichtiger Nebeneffekt könnte sein, dass es dem einen oder anderen Mann die Scheu nimmt, überhaupt zum Checkup beim Urologen zu gehen. Denn noch ist die Mehrheit der Männer hier sehr zurückhaltend.
DIE HÄLFTE DER KOLLEGEN DER AUGSBURGER UROLOGIE SIND FRAUEN
Matthias Heck, 44 Jahre alt, ist Spezialist für Prostatakarzinom, und kennt das Phänomen. „Es kommt gar nicht so selten vor, dass die Partnerin oder der Partner den Mann in die Sprechstunde schickt. Wir sollten besser vermitteln, warum es so wichtig ist: Wird eine Krebserkrankung früh erkannt, können wir mit weniger Nebenwirkungen heilen.“
Er kennt natürlich die Vorurteile gegenüber seinem Fachgebiet: Urologie, das ist was für alte Männer. Das stimmt aber nicht: Tumorerkrankungen, Harnwegsinfekte, Nierenerkrankungen, Nierensteine oder Fehlbildungen kommen bei Männern, Frauen und Kindern vor. Und etwa die Hälfte der Kollegen der Augsburger Urologie sind Frauen. Also keine Angst vor den Urologen, bittet er: „Wir sind ein angenehmer und umgänglicher Menschenschlag.“ Er selbst entschied sich während des Studiums in Heidelberg für das Fach, weil er hier die operative Arbeit – „das liegt mir“ – gut mit der Forschung verbinden kann.

Nach 17 Jahren in München, zuletzt als stellvertretender Klinikdirektor, ist er nun selbst für die Ausbildung neuer Kollegen zuständig. Augsburg sei für ihn sowie für Studenten ein sehr attraktiver Standort. „Wir haben in Augsburg die Möglichkeit und die Aufgabe, junge Urologen auszubilden und für die Wissenschaft zu begeistern“, so Heck. „Das ist wichtig, aber manchmal gar nicht so einfach, denn die klinische Arbeit ist so umfänglich.
Zusätzlich wissenschaftlich arbeiten zu können und kreativ zu sein, bedeutet jedoch, dass wir Dinge neugestalten und Ideen für Therapien jenseits der einmal gelernten Leitlinien entwickeln können.“ Die noch junge medizinische Fakultät mitaufbauen zu können, ist für ihn eine spannende und große Aufgabe. „Dazu muss man Pioniergeist mitbringen.“
Pioniergeist, das bedeutet für ihn, jenseits von festgelegten Strukturen Neues zu denken und zu wagen und letztlich damit die Dinge voranzutreiben, zu verbessern. Wie sich technischer Fortschritt durchsetzen kann und was damit möglich ist, erlebte er als Student, als er 2008 sein praktisches Jahr am Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSKCC) in New York absolvierte, eine der besten Krebskliniken weltweit. Hier wurde bereits damals mithilfe von Robotertechnik operiert. „Ich war sofort begeistert davon, wie dabei die Technik direkt dem Patienten zu Gute kommt. In Deutschland ging das etwas später los, heute ist es Standard.“
Steffi Pyanoe (Text) und Daniel Biskup (Fotos)
Die Leseprobe war zu kurz?

