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Ausgabe 02/2018 · Feuilleton

Der große Unbekannte: Matthias Schriefl

Der Allgäuer Matthias Schriefl ist in der internationalen Musikszene ein Star. Von den Eltern als Freigeist erzogen. Bereits mit drei Jahren der Musik auf Gedeih und Verderb verfallen. Bandleader mit vierzehn. In der europäischen Musikwelt unterwegs seit sechzehn. Und trotzdem ist er ein Allgäuer mit Leib und Seele geblieben, dem es alles andere als wurscht ist, wenn sich seine Heimat gedankenlos dem Zeitgeist andient. Schriefl spielt in Casablanca, Wien, Amsterdam, Berlin und London, gibt Konzerte in den USA, in Indien, Fernost und Südamerika. Da den meisten Schwaben das Herz erst aufgeht, wenn Helene Fischer herumhüpft und die Kastelruther Spatzen aufspielen, werden sie von Schriefl – im doppelten Wortsinn – noch nie etwas gehört haben. „Expect the old reggae beat and high-altitute New Orleans funk riff“, verriet die englische „Sunday Times“ den Jazzenthusiasten unter ihren Lesern, was sie von einem Abend mit dem Allgäuer Musikanten erwarten können. In der internationalen Musikwelt ist „Matthias“ – wie sie ihn im 500-Seelendorf Maria Rain noch immer rufen – also längst ein gefeierter Künstler. Und in seiner engeren Heimat Allgäu ist er für jene, die von Musik etwas mehr verstehen als „Nananananana“, der Mann der ungewöhnlichen Töne, der „Dschäss-Mächlar, wo in gar als os Bleach neiblost (Selbstbeschreibung)“. Im restlichen Bayerisch-Schwaben ist Matthias Schriefl ein Unbekannter, weil es für die meisten Menschen zwischen Donauwörth und Augsburg völlig ausreichend ist, mit Florian Silbereisen in C-Dur schunkeln zu können. Schriefl, 1981 in Kempten geboren, gerade mal 37 Jahre jung, noch immer oder schon wieder gern in seinem Elternhaus wohnend, ist und lebt Musik pur. Er ist Jazztrompeter, Komponist, Bandleader und Multiinstrumentalist. Neben Trompete spielt er Flügelhorn, Alphorn, Baritonhorn, Tuba, Sousaphon und – Euphonium. Ein Instrument, von dem der Normalsterbliche noch nie einen Klang vernommen hat und dieses Wort erst googeln muss, um zu wissen, was sich dahinter verbirgt.

aus Ausgabe 02/2018

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