20.März2012

„Es war einmal …“ – eine gute Zeit

„Es war einmal …“ so beginnen alle Märchen. Sogar in Bayerisch-Schwaben. Es war einmal eine Stadt im Norden Augsburgs, die wegen ihrer zukunftsweisenden Standortpolitik über die Region hinaus berühmt war. Es war einmal ein Bürgermeister, der so gut wirtschaftete, dass er es sich leisten konnte, jedem Bürger 100 Mark aus der Stadtkasse auszuzahlen. Doch jedes Märchen findet auch sein Ende. Mal ein Gutes, mal ein Schlechtes. In unserem Fall ein Schlechtes, weil sich der einst vielgerühmte Gersthofener Altbürgermeister Siegfried Deffner in einen Racheengel verwandelt hat, der an seinem Nachfolger Jürgen Schantin kein gutes Haar lässt. Deffner hat alle seine guten Vorsätze, sich als Bürgermeister im Ruhestand nicht mehr in die Stadtpolitik einzumischen, über Bord geworfen. Alles was sein Nachfolger anpackt, verteufelt er in Grund und Boden. Ob es um die Gestaltung der “Neuen Mitte Gersthofens“ oder den Bau einer neuen Schule geht: Bei jeder Gelegenheit bricht er öffentlich einen politischen Streit vom Zaun. Er kann das Wasser nicht halten. Selbst wenn es zum Schaden seiner Stadt ist und er Investoren vor den Kopf stößt. Siegfried Deffner mag ein guter Bürgermeister gewesen sein. Ein guter, friedensstiftender Bürger ist er deshalb noch lange nicht. Die politische Saat, die er seit Monaten sät, vergiftet längst die Stadt. Die böse Fee lässt grüßen. Und sieben Zwerge, die wie im Grimm´schen Märchen Schaden von Gersthofen abwenden könnten, sind weit, weit hinter den sieben Bergen oder zumindest dort nicht zu finden, wo die Gersthofener CSU zuhause ist  und das Sagen hat. „Es war einmal …“ – eine gute Zeit in Gersthofen,

meint Ihr Wolfgang Oberressl

13.März2012

Das Kreuz mit Konrad Zdarsa

Es ist ein Kreuz mit dem Bistum Augsburg. Nach dem unseligen Bischof Walter Mixa haben nun die Katholiken einen weiteren Bischof zu erdulden, der sich ebenso wie sein Vorgänger selbstherrlich geriert.  Dieser Vorwurf wiegt schwer, doch das Verhalten von Bischof Konrad Zdarsa und das seiner Büchsenspanner lässt kein anderes Urteil zu. Als die  Weltbild-Mitarbeiter aus Sorge um ihren Arbeitsplatz eine Aussprache erbeten hatten, kam die mehrfach angemahnte Gesprächsbereitschaft des Bischofs einem Gnadenakt gleich. Mit den jüngsten Reformplänen, alte Kirchensprengel aufzulösen und sie in größere Einheiten zusammenzufassen, stößt Zdarsa  Tausende Katholiken vor den Kopf, weil er nicht gewillt ist, vorher das Gespräch mit den Gläubigen zu suchen, sondern sein Bistum stur par ordre de Mufti  führt.  Es ist wohl von diesem Bischof zu viel verlangt, dass er sich am Kapitel 18 im Evangelium nach Matthäus orientiert, das sich eingehend mit dem Leben in der Gemeinde befasst. Im Absatz 20 schreibt der Apostel, wo die Gläubigen sehr wohl Jesus Christus begegnen würden: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Im Bistum Augsburg ist für einen Matthäus kein Platz. Hier hat ein Konrad das Sagen, lautet das unmissverständliche Signal  aus dem bischöflichen Palais zu Augsburg. Zdarsas neues Sprachrohr Bernhard Meuser wurde zuletzt noch deutlicher: „Katholiken, die eine andere Kirche wollen, sollen evangelisch werden.“ Dieser Bischof will und braucht offensichtlich keine lebendige Gemeinde. Engagierte Katholiken brauchen aber auch keinen solchen Bischof. Wer sich allerdings in einer Gemeinschaft gut aufgehoben fühlt, die autoritäre Strukturen zum Überleben braucht, darf sich darüber nicht echauffieren. In der katholischen Kirche hat, wenn´s darauf ankommt, seit über 1000 Jahren schon immer das Wort des Kirchenlehrers Augustinus von Hippo gegolten: „Roma locuta causa finita“. Macht und Teilhabe waren in der katholischen Kirche seit jeher nicht Sache der Schäfchen,

meint Ihr Wolfgang Oberressl

7.März2012

Frau Pfaffinger und der Landrat

Manche Landräte geben sich nicht damit zufrieden, als oberste Kommunalbeamte die Geschäfte ihres Landkreises zu besorgen. Sie wollen mehr. Viel mehr. Sie wollen wie einst die Landvögte über ihre Untertanen herrschen und alles kontrollieren, was sich in ihrem Gäu so tut. Sie erwarten es als angemessene Form der Ehrerbietung, dass die Honoratioren vom Bürgermeister bis zum Feuerwehrkommandanten stramm stehen, wenn sie sich etwa zum 25. Gründungsjubiläum eines Kanarienzüchtervereins einfinden und huldvoll ihre Grußworte entbieten.

Ein besonderes Exemplar bayerischer Obrigkeit ist Christian Knauer, seit 2002 amtierender Landrat des Landkreises Aichach-Friedberg. In seinem absolutistischen Eifer, seinen Schutzbefohlenen den rechten Weg zu weisen, hat er sich Anfang des Jahres der Leiterin der Mittelschule in Mering, Ingeborg Pfaffinger, angenommen. Die Rekto- rin hatte sich erlaubt, gegen die politische Entscheidung öffentlich aufzumucken, ihre Schule zugunsten eines Gymnasiums aufzugeben. „Das steht ihr nicht zu“, polterte der Landrat. Pfaffingers Wortmeldung war ein klarer Verstoß gegen die Subordination, den Knauer nach seinem Verständnis von Recht und Ordnung in seinem Landkreis natürlich nicht dulden konnte. Wo kämen wir auch hin, wenn eine mündige Bürgerin in Staatsdiensten freimütig ihre Meinung kundtun würde, ohne vorher den Landrat zu fragen.

Der etepete Knauer scheint bei seiner Schelte allerdings nicht bedacht zu haben, dass er sich damit ohne Not mit einer Oberbehörde der Bayerischen Staatsregierung, dem Bayerischen Staatsrundfunk, angelegt hatte. Dort gibt seit zehn Jahren im Sender „Bayern 1“ die Kantinenfrau Pfaffinger die regierungsamtliche Marschrichtung vor, was unter dem weiß-blauen Himmel Sache ist. Und die hat sich bei ihren Sagern noch nie den Mund verbieten lassen, wenn sich ein Großkopferter aus der bayerischen Beamtenkaste vergaloppiert hatte. Vor einer Frau Pfaffinger ziehen sogar BR-Moderatoren wie ein Tilman Schöberl den Kopf ein, der immerhin im Bayerischen Fernsehen unter Aufsicht des staatlichen Rundfunkrates „Jetzt red i“ sagen darf.

Wenn sich der liebe Aichacher Landrat vor seiner Tirade gegen die Meringer Schulleiterin nur die Mühe gemacht hätte, in der Biografie von Frau Pfaffinger ein wenig nachzuforschen. Mit einer Frau Pfaffinger zankt man sich einfach nicht, wenn man sich nicht dem Gespött der kleinen Leute ausliefern möchte. Möchte man meinen. Denn hinter der Kantinenfrau des BR verbirgt sich die Volksschauspielerin Christiane Blumhoff, die im „Königlich Bayerischen Amtsgericht“ der Obrigkeit schon öfter die Leviten gelesen hat. Aber wer weiß, wo Christian Knauers wahre Berufung liegt.

Was Landrat Knauer unter korrekter Meinungsäußerung versteht, lässt sich im aktuellen Jahrbuch des Landkreises, „Altbayern in Schwaben“, nachlesen. Dort wird Otto Dickel, ein Apologet nationalsozialistischen Gedankenguts, auf 21 Seiten gewürdigt. Das findet Knauer nicht anstößig,

meint Ihr Wolfgang Oberressl

24.Februar2012

Nur ein Wort

Es gibt keinen gesellschaftlichen Bereich, wo sich die Lebensweisheit „Wer rastet, der rostet“ so schnell bewahrheitet wie in der Wirtschaft. Unternehmen, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen, geraten unversehens ins Schlingern. Dienstleitungen und Produkte müssen ihre Attraktivität bewahren, um Zuspruch zu finden. Das gilt auch für edition:schwaben. Als Printprodukt, das nur alle zwei Monate am Markt erscheint, wollen wir künftig das Kommunikationsmedium Internet stärker bedienen als in der Vergangenheit. Ab sofort wird auf der Homepage von edition:schwaben gebloggt. Künftig finden sie regelmäßig aktuelle Beiträge zu bayerisch-schwäbischen Themen aus der Perspektive unseres Magazins.  Stichwortgeber werden Politiker, Kulturschaffende, Unternehmer und Meinungsmacher sein. Kleine Begebenheiten am Rande werden uns ebenso beschäftigen wie Ereignisse, die die Region bewegen. Machen wir den Anfang, mit einem Hinweis, der sich auf die Titelgeschichte „Dame schlägt König“ der aktuellen Ausgabe bezieht. Dieses Mal geht es nur um eine Nuance in der Darstellung eines politischen Ereignisses.

Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff, war ein Nachfolger schnell ausgemacht. Als am Sonntag, den 19. Februar, der Bürgerrechtler Joachim Gauck aus der Kandidatenkür von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP als Sieger hervorging, bargen die Schlagzeilen der Tageszeitungen am folgenden Montag keine Überraschung mehr. Und doch entdeckte man da und dort einen kleinen, feinen Unterschied in der Aufmachung. Die „Süddeutsche Zeitung“ titelte „Joachim Gauck wird Bundespräsident“. Die „Augsburger Allgemeine“ lieferte die Schlagzeile: „Gauck wird Bundespräsident“.

Letztere wählte mit dieser Schlagzeile eine Diktion, die anlässlich der Nominierung von Joachim Gauck für die Wahl zum Bundespräsidenten alles andere als angebracht war. Es wurde ja nicht der „Huber-Bauer zum Ortsvorstand der Grauviehzüchter ernannt“. Und gemeinsam Kühe gehütet haben Gauck und der Autor, der die Titelzeile formuliert hat, meines Wissens auch nicht.  Der „Joachim“ macht eben den Unterschied zwischen einer großen Tageszeitung und einem Provinzblatt. Einem AZ-Chefredakteur Markus Günther wäre ein solcher Faux pas nicht unterlaufen,

meint Ihr Wolfgang Oberressl