Als langjährige Teamzahnärztin der Augsburger Panther ist Dr. Roswitha „Rosi“ Merk immer zur Stelle, wenn es um die Zähne der Spieler geht. Ihr Einsatz geht aber weit über den Zahn hinaus. Im Interview mit der edition:schwaben gibt die Ärztin Einblicke in ihren Alltag.
Im ersten Stock der Zahnarztpraxis Dr. Merk in der Augsburger Maximilianstraße lächeln den Besuchern auf kleinen Fotos zahlreiche Männer entgegen. Keine Zahnmodels, sondern viele Eishockeyspieler der Augsburger Panther und Fußballer des FC Augsburg. „Unsere Wall of Fame“, sagt Dr. Roswitha Merk und lacht. Auf diesem Stockwerk befindet sich das Labor der Praxis, die auf drei Stockwerken rund 800 Quadratmeter misst. Merk zeigt auf die Autogrammkarte des Kanadiers Scott Valentine, der sechs Spielzeiten im Trikot der Augsburger Panther aufs Eis ging. Sie erinnert sich daran, als der AEV bei einem Vorbereitungsturnier beim HC Meran teilnahm und dort auf Valentine traf, der mittlerweile nach Bozen gewechselt war. Er kontaktierte Merk vorab und bat sie, ihm einen neuen Playsafe zu machen. „Also haben wir in der Kabine in Meran die Abdrücke gemacht und ich habe ihm den Mundschutz dann per Post geschickt“, erzählt die Zahnärztin und lacht wieder. Geschichten aus dem Eishockey hat sie zahlreiche auf Lager.
SEIT 10 JAHREN TEAMZAHNÄRZTIN
Kein Wunder, schließlich ist Roswitha Merk – die einen kennen sie als „Rosi“, die anderen nennen sie „Wittl“ – mittlerweile seit zehn Jahren die Teamzahnärztin der AEV-Spieler. Bei jedem Heimspiel ist sie vor Ort, kümmert sich bei Bedarf um die akuten Verletzungen, macht hinterher die Nachversorgung etwa mit Implantaten und stattet die Spieler mit individuellen Playsafes aus. Und das ist nur eine kleine Liste dessen, was die Zahnärztin anbietet. „Für mich ist diese Aufgabe keine Verpflichtung. Hockey ist mein Hobby und ich mache das einfach gerne“, betont sie. Bei den Spielen sitzt sie auf der Tribüne gegenüber der Spielerbank und verfolgt mit Spannung das Spielgeschehen. Ihre Nervosität, die sie oftmals schon am morgen des Spieltags verspürt, legt sich meist erst nach dem ersten Drittel. Und dann auch nur, wenn ihre Panther führen.

Die Erklärung für die Eishockey-Leidenschaft der Zahnärztin, die selbst nach eigener Aussage nicht einmal Schlittschuhlaufen kann, hängt in ihrer Praxis direkt neben der Wall of Fame. Ein Nationalmannschaftstrikot mit dem Namen Merk. Es gehörte einst Rosi Merks Schwester Johanna, die in der Bundesliga der Frauen und der DEB-Auswahl spielte. So war die Zahnärztin früher schon als Stadionsprecherin der Augsburger Damenmannschaft Ice Cats tätig, bevor diese aus wirtschaftlichen Gründen nach Königsbrunn wechselten. Über diese Verbindung lernte Merk Leo Conti – ehemaliger Spieler und Marketing-Manager beim AEV – kennen, der sie als Teamzahnärztin engagierte.
edition:schwaben: Auch Markus Krapf, Präsident des FCA, berichtet im Interview mit der edition von seinem Werdegang vom Fan zum Präsidenten
GERISSENE LIPPE BIS KIEFERBRUCH
Mit Nähzeug, Schienen, CO2-Spray und anderen Utensilien in der Tasche sieht sich Merk jedes Heimspiel an. Allzu oft muss sie keinen Akutfall behandeln, näht wenn es sein muss aber auch mal die Lippe oder flickt das Zahnfleisch zusammen. „Wenn jemand im Gesicht blutet, gehe ich vorsichtshalber mal zur Kabine, um zu sehen, ob ich gebraucht werde“, erzählt Merk. Die schlimmste Verletzung erlebte sie bei einem Freundschaftsspiel im September 2018, als der damalige AEV-Spieler Henry Haase einen Kieferbruch erlitten hatte. Merk übernahm die Erstversorgung und die Frakturdiagnose und begleitete den Spieler dann ins Krankenhaus. Er blutverschmiert, in kurzer Hose und Badeschlappen, die Zahnärztin im Dirndl, da sie nach dem Spiel noch den Augsburger Plärrer besuchen wollte. „Ich musste denen erst einmal erklären, dass wir nicht von einer Bierzelt-Schlägerei kommen, sondern aus dem Eisstadion“, erzählt Merk und lacht. Mit Haase, der mittlerweile in Berlin Regionalliga spielt, steht sie noch heute in Kontakt. Über die Jahre hat Merk viel Vertrauen aufgebaut und ist in der Augsburger Kabine ein gern gesehener Besuch – obwohl die Behandlungen natürlich nicht immer angenehm sind. Und auch Eishockeyspieler sind nur Menschen, auch hier gibt es Kandidaten, die Angst vor dem Zahnarzt haben. Hier hilft Rosi Merk mit einer Lachgas-Maske, die während der Behandlung über die Nase gezo- gen wird und den Patienten „auf Wölkchen sieben“ versetzt, wie Merk es mit einem Lächeln nennt. Die Alternative wäre eine Vollnarkose, die bei den Profispielern aber nur außerhalb der Saison eingesetzt wird, da sie sonst zu lange ausfallen würden.
Nina Probst (Text) und Daniel Biskup (Fotos)
Die Leseprobe war zu kurz?

