Michael Agsteiner, 55, ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Leise führt er uns durch den neuen Audi-Terminal in Augsburg-Göggingen und dennoch spüren wir schnell: Hier wurde nicht nur gebaut – sondern gänzlich neu gedacht. Kein PS-Showroom im klassischen Sinn. Sondern eher ein Ort, an dem man sich bewegt, berät, entscheidet. In aller Ruhe. Im eigenen Tempo. Ganz bewusst will der Schwaba-Geschäftsführer so seinen Kunden ein besonderes, analoges Erlebnis bereiten. Sie sollen sich willkommen fühlen, statt überredet zu werden. Dazu: Ein Gespräch über Wertschätzung, Leidenschaft und flache Hierarchien.
Herr Agsteiner, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen. Starten wir mal direkt sportlich und regional: Wie ist Ihr Verhältnis zum FCA?
Gut. Ich habe mein ganzes Leben mit Vereinen sympathisiert, die nicht ganz oben standen, war also nie Bayern-Fan. Zu Michael Ströll pflege ich eine sehr freundschaftliche Beziehung und die Verpflichtung von Sandro Wagner fand ich ziemlich cool. Am Ende des Tages wünsch ich mir natürlich, dass der FCA eine tolle Saison spielt.
Wie wichtig ist der FCA für die Region und für Ihr Unternehmen?
Der FCA ist für die Region immens wichtig, aber auch für uns als Unternehmen. Wir engagieren uns, finden dort statt, treffen die Menschen, die unsere Kunden werden oder bereits sind. Übrigens spielt der FCA seitdem ich in Augsburg bin, in der Bundesliga. Das finde ich gut. Von dem her sollte das auch noch lange so bleiben.
Sie sind seit 2017 Geschäftsführer der Schwaba. Wofür steht Schwaba?
Wir verstehen uns als regionaler Autohändler. Wir arbeiten in der Region und ich möchte auch gern, dass wir unser Geschäft Porträt in der Region machen. Und ich glaube, dass wir damit momentan den Zahn der Zeit treffen: Bei aller Digitalisierung und den Dingen, die man online kaufen kann, merke ich bei mir, dass ich auch sehr, sehr gerne analog einkaufe.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Ja, Klaus Zwiebel von Eckerle sieht mich einmal, höchstens zweimal im Jahr. Aber er schafft es in einer Stunde, mir die perfekten Sachen zu verkaufen. Als ob er meinen ganzen Kleiderschrank kennen würde. Und dieses bewusste Erleben spiegelt mein Verständnis für den Vertrieb und den Einzelhandel wider: Mir ist es wichtig, dass wir tolle Gastgeber sind und dass unsere Kunden mit einem guten Gefühl hier rausgehen.

Wie wird man denn zum guten Gastgeber? Das können Sie ja nur im Team erreichen.
Genau! Und zu diesem Zweck haben wir im Vorfeld der Eröffnung dieses Autohauses 200 Mitarbeitende, die im direkten Kundenkontakt stehen, seit Januar geschult. Drei Stunden am Vormittag, drei Stunden am Nachmittag. Ich selbst habe diese Schulungen über zwei Wochen hinweg gehalten, um den Mitarbeitenden meine Überzeugungen mitzugeben und sie so bewusst mitzunehmen. Dabei habe ich beispielsweise unser Haus mit dem Lieblingsitaliener verglichen, zu dem man gerne geht, weil man stets weiß, was man dort bekommt. Und der dich kennt. Und genauso müssen wir unsere Kunden empfangen.
Sind Sie der hiesige Lieblingsitaliener der Schwaba? Jemand, der jeden Kunden kennt und auf den alle Kunden zukommen können?
Ja (lacht). Ich bin nahbar. Wenn ich im Autohaus bin, wissen die Leute, dass ich da bin und sie können jederzeit auf mich zukommen. Meine Tür ist immer offen. Das gilt für Mitarbeitende gleichermaßen wie für Kunden.
Wie würden Sie sich als Geschäftsführer beschreiben?
Ich packe an. Ich bin kein Geschäftsführer, der sich nur mit Strategien beschäftigt, habe gestern noch ein Auto zugelassen und mache auch mal die Schilder weg. Da erschrecken die Mitarbeiter manchmal sogar, dass ich das mache. Als Führungskraft möchte ich Vorbild sein und glaube, dass ich dieser Rolle auch gerecht werde. Ich möchte, dass die Mitarbeiter Leidenschaft haben und dass sie mit Begeisterung an die Arbeit gehen. Denn genau das ist es, was uns dann vielleicht auch von anderen Mitbewerbern unterscheidet. Aber natürlich ärgern wir uns auch mal und wir machen bestimmt nicht alles perfekt.

Wie sieht es aus, wenn Sie etwas nicht perfekt machen?
Vor kurzem war der erste Satz, den ein Kunde zu mir am Telefon sagte: ‚Ich weiß gar nicht, ob Sie wissen, was alles in Ihrem Laden passiert.‘ Und ich habe geantwortet: ‚Da bin ich mir ganz sicher, dass ich nicht alles weiß, aber es gibt viele Dinge, die ich weiß. Ich weiß zum Beispiel, dass Sie sich über etwas geärgert haben und deswegen ruf ich Sie persönlich an.‘ Das sind die kleinen Dinge, die ich für wichtig halte.
Die persönliche Ansprache ist nicht zu unterschätzen.
Auf jeden Fall. Ich versuche auch immer von unseren Kunden die Namen zu kennen. Klar greife ich dazu auf Hilfsmittel zurück und schaue ins System, wer an dem Tag zu uns kommt. Aber die Ansprache beginnt für mich bereits bei meinen Mitarbeitenden: Ich versuche alle Namen unserer 430 Mitarbeiter zu kennen, vielleicht haben wir deswegen bei der Schwaba unter anderem so eine geringe Fluktuation.
Was tun Sie denn für Ihre Mitarbeitenden, dass diese nicht abwandern?
Neben einer leistungsgerechten Bezahlung legen wir Wert auf ordentliche Rahmenbedingungen: Ob das jetzt 30 Tage Urlaub sind, die 36-Stunden-Woche oder 13 Monatsgehälter. Und: Wir zahlen immer pünktlich unser Geld. Wir schauen, dass wir ordentliche Arbeitsplätze haben. Hier ist es angenehm kühl, obwohl es draußen über 30 Grad hat. Wir haben aber keine Klimaanlage, sondern eine zugfreie Klimatisierung, indem wir Bodenkühlung und Bodenwärme nutzen. Das zieht sich bei uns vom Empfang durch bis in die Werkstatt.
Zudem haben wir in unseren Neubauten Akustikdecken in der Werkstatt installiert, damit die Geräuschentwicklung nicht so hoch ist. Wir bieten voll vernetzte Arbeitsplätze, alle Mitarbeiter – bis zum Lehrling haben bei uns einen eigenen Laptop. Klar gibt‘s bei uns Wasser und Kaffee umsonst, eine gute Weiterbildung, und wir bieten die Option des Job Bikes, haben Fitnesscenterangebote und extrem flache Hierarchien.
Sie leiten fünf Autohäuser. Wie flach kann da die Hierarchie sein?
Wir haben einzelne Vertriebsleiter, die sich um jeweils eine Sparte kümmern. Angesichts der Größe unserer fünf Automarken- und Autohäuser, haben wir den Bereich Neuwagen geteilt, dazu kommen der Gebrauchtwagenbereich, Aftersales, Vertrieb sowie ein Bereichsleiter für die Themen Projetmanagement und Innovation. Allein für die zwei Neubauten, das Audi-Zentrum und das neue Gebrauchtwagenhaus in Gersthofen braucht es jemanden, der das operativ durchzieht, der mit der permanenten und stetigen Qualitätsverbesserung beschäftigt ist.
Pia Hart (Text) und Daniel Biskup (Fotos)
Die Leseprobe war zu kurz?

