Jan T. Wilms: Die (neue) Kunsthalle Augsburg

Das H2 – Zentrum für Gegenwartskunst und die ehemalige Staatsgalerie im Glaspalast Augsburg werden im Zuge eines neuen Nutzungskonzeptes umbenannt. Jan T. Wilms, der Leiter des Hauses, und Kulturreferent Jürgen Enninger haben mit der edition:schwaben über die Zukunft des Museums gesprochen.

Paul oder Felix, Greta oder Ella – diese Entscheidung machen sich werdende Eltern nicht leicht. Hat das Neugeborene dann aber seinen Namen, wird er nicht mehr hinterfragt.
Die Kunstsammlungen Augsburg haben ihr Museum, das 2006 im Glaspalast eingerichtet wurde, H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast genannt. Glücklich ist man damit nun nicht mehr. Das hat auch inhaltliche Gründe: „Gegenwartskunst bezieht sich auf zeitgenössische Kunst. Für mein Empfinden ist zeitgenössische Kunst gerade noch das, was nach 2000 entstanden ist“, erklärt Jan T. Wilms – seit Oktober 2024 Leiter des Hauses – und ergänzt: „Wir haben hier aber eine sehr umfangreiche Sammlung, die bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurückreicht.“ So richtig habe sich der Name ohnehin nie etablieren können. Das wurde auch dann nicht einfacher, als die Kunstsammlungen vor sechs Jahren die ehemalige Staatsgalerie in der Halle 1 des Glaspalastes übernahmen.

Für Jan T. Wilms und Jürgen Enninger steht das Netzwerken in der Augsburger Kunst-
und Kulturszene im Fokus.

Neue Positionierung & neues Selbstverständnis


Jetzt gibt es also einen neuen Namen, der beide Hallen im Erdgeschoss des Industriedenkmals zu einer Einheit zusammenfasst: Kunsthalle Augsburg. Prägnant und unmissverständlich. Kunsthalle hieß das städtische Museum für moderne und zeitgenössische Kunst früher schon einmal. Damals hatte es sein Zuhause noch am Wittelsbacher Park. Der Rückgriff auf diese Bezeichnung steht aber weniger für eine Anbindung an die Vergangenheit als vielmehr für ein neues Selbstverständnis. „Der Name Kunsthalle positioniert das Museum klar innerhalb der etablierten Museumslandschaft des deutschsprachigen Raums“, so Wilms. Verbunden sei er mit einem hohen institutionellen Ansehen. Man denke nur an die Kunsthalle Hamburg, die Kunsthalle Basel oder Bern. Nicht zuletzt knüpfe der neue Name auch an die architektonische Struktur des Hauses im ehemaligen Industriebau an.

NEUES NUTZUNGSKONZEPT

Die Umbenennung ist Teil eines neuen Nutzungskonzeptes für die zukünftige Kunsthalle. Schwerpunktmäßig möchte man in der Halle 2 vorwiegend die Sammlungsbestände in wechselnden Konstellationen zeigen, die Halle 1 soll dagegen aufgrund der besseren klimatischen Bedingungen Sonderausstellungen vorbehalten sein. Lichtempfindliche Grafiken und Fotografien finden in den Kabinetten der beiden Hallen ihren optimalen Platz.

Eine wichtige Rolle wird weiterhin die Kooperation mit Akteuren der Augsburger Kunstszene spielen. Bereits in seiner ersten Ausstellung setzte Jan T. Wilms auf Vernetzung: New Connections vereinte Arbeiten aus drei Sammlungen – der städtischen, der Sammlung der Stadtsparkasse und der Sammlung des Kunstmuseums Walter. Parallel dazu wurde in der ehemaligen Staatsgalerie die von der Ecke-Galerie kuratierte Ausstellung Susanne Juncker gezeigt und in den Kabinetträumen des H2 Arbeiten der Gesellschaft für Gegenwartskunst. Drei Ausstellungen, eine Eröffnung. Für Augsburg war diese Verdichtung von Kunstereignissen ein absolutes Novum. Wilms‘ Fokus auf Vernetzung hat auch Jürgen Enninger von Anfang an überzeugt: „Jan Wilms‘ Denken in lokalen Netz- werken in der Kunst war bereits im Bewerbungsverfahren auffällig und wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden“, sagt der Kulturreferent. Für das kommende Jahr ist nun eine Kooperation mit der Arno-Buchegger-Stiftung geplant. Die Stiftung wird in den Kabinetten der Halle 1 Arbeiten von Manuel Frattini zeigen, im offenen Bereich werden die Kunstsammlungen drei abstrakte Positionen präsentieren. Beide Ausstellungen sind in sich geschlossen, inhaltlich aber aufeinander abgestimmt.

Mit dem neuen Nutzungskonzept soll auch die Attraktivität des Museums im Glaspalast noch gesteigert werden. Immer wieder wurde das fehlende Café im Zentrum für Gegenwartskunst beklagt. Ein klassisches Café sei nicht umzusetzen, ein Pächter ließe sich kaum finden. Deshalb soll zukünftig in der Halle 2 ein Loungebereich mit Designmöbeln und einem Kaffee- bzw. Getränkeautomaten die Aufenthaltsqualität des Museums und auch die Verweildauer erhöhen. Fehlen nur noch die passenden Sponsoren.

Simone Kimmel (Text) und Daniel Biskup (Fotos)

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