Die Fugger tun es. Kurt Viermetz tut es. Die Wagners tun es. Bernhard Langer tut es. Die einen seit Generationen. Die anderen seit ihr Lebenswerk Früchte trägt. Immer mehr Menschen gründen eine Stiftung oder bringen einen ansehnlichen Teil ihres Vermögens in eine bestehende Stiftung ein. Bayerisch-Schwaben ist ein Land der Stifter. In nahezu allen Fällen werden gemeinnützige, soziale, kulturelle, medizinische, wissenschaftliche, in jüngster Zeit zunehmend auch ökologische Projekte und Einrichtungen gefördert. Mildtätige Stiftungen unterstützen vorwiegend bedürftige Einzelpersonen oder Personengruppen. Philanthropische Gedanken stehen meist im Vordergrund, aber auch die Absicht, Steuern zu sparen. Die Liste der Stifter liest sich wie das schwäbische Who’s who.
Stiftungen haben eine lange Tradition. Im Mittelalter entsprangen sie meist einem frommen Gedanken des Stifters, der die Sicherung des eigenen Seelenheils im Blick hatte. Und es ist zu vermuten, dass Jakob Fugger der Reiche (1459- 1525) wohl ähnliche Überlegungen angestellt hatte, als er am 23. August 1521 eine Wohnanlage für bedürftige Augsburger Bürger, die heutige Fuggerei, gestiftet hat. Dem gottesfürchtigen Kaufmann Jakob Fugger waren wohl im gesetzten Alter von 62 Jahren erhebliche Zweifel gekommen, ob ihm nach seinem Tod das ewige Leben im Himmel zuteil werde, nachdem sein Bankhaus über viele Jahre ein systemrelevantes – wie man heute sagen würde – Element des Ablasshandels gewesen war: Vor allem Papst Leo X. (1472-1521) trieb dieses makabere Geschäft „Klingende Münze gegen Nachlass der Sünden“ auf die Spitze, und Jakob Fugger partizipierte an diesen Geldflüssen reichlich. Eine Vielzahl der Stiftungen, die bis heute im Besitz der Katholischen Kirche sind und nach wie vor stattliche Erträge abwerfen, sind allein aus Furcht vor ewiger Verdammnis errichtet worden. Einige von ihnen, das muss zu ihrer Ehrenrettung erwähnt werden, engagieren sich heute vorbildlich in sozialen Bereichen wie etwa in Augsburg die 1572 gegründete Katholische Waisenhaus-Stiftung.
Historisch betrachtet gehören deutsche Stiftungen zu den großen Konstanten in der Geschichte des Landes. Berühmte Kirchen und Klöster sind sichtbare Zeichen früher Stiftungstätigkeit. Die bis heute bestehende Bürgerspitalstiftung in Wemding im Landkreis Donau-Ries geht auf das 10. Jahrhundert zurück. „Spätestens im 13. Jahrhundert entstehen zahlreiche Stiftungen, die alle Wechselfälle der Geschichte überlebt haben. So gibt es rund 250 Stiftungen, die älter als 500 Jahre sind und noch heute bestehen“, weiß das Referat 12 der Regierung von Schwaben, das zugleich die staatliche Aufsichtsbehörde für alle öffentlich-rechtlichen Stiftungen in der Region ist. Die Fuggerei ist also keineswegs die älteste Stiftung in Bayern, wie fälschlicherweise oft berichtet wird, sondern schlicht und einfach die älteste Sozialsiedlung der Welt. Heute wohnen in den 140 Wohnungen der 67 Stiftungshäuser 150 bedürftige katholische Augsburger Bürger für eine Jahreskaltmiete von weniger als einem Euro. Als „Gegenleistung“ sollen die Bewohner täglich ein Vaterunser, ein Ave Maria und das Glaubensbekenntnis und für den Stifter und die Stifterfamilie beten. Bis heute wird die Sozialsiedlung aus dem Stiftungsvermögen Jakob Fuggers unterhalten. Das Fürstlich und Gräflich Fuggersche Familienseniorat fungiert als Aufsichtsgremium der Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungsadministration, die die Fuggerei und weitere acht Fuggersche Stiftungen betreut.



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