Holzbau auf höchstem Niveau: Ein Blick hinter die Kulissen von Gumpp & Maier

Im beschaulichen Binswangen 2004 gegründet, setzt die Firma Gumpp & Maier heute bundesweit Maßstäbe im Holzbau. Wie es dazu kam, haben wir uns einmal genauer angeschaut.

Während an diesem Donnerstagmorgen von den ringsum liegenden Wiesen im Zusamtal noch feuchter Dunst aufsteigt, herrscht hier, auf dem Betriebsgelände von Gumpp & Maier im ländlichen Nordschwaben, bereits Betriebsamkeit. Erste Lastwagen rollen heran, Holzelemente werden verladen, Vorarbeiter besprechen letzte Details am Modell. Aus der modernen Fertigungshalle ist leise das Surren von CNC-Fräsen und Sägen zu vernehmen.

Drinnen riecht es erdig, warm, lebendig. Holz, wohin man sieht – aufgerichtet, geschichtet, verarbeitet, verpackt. Der nun einsetzende Maschinenlärm der Frühschicht lässt keinen Raum für verklärend-romantische Beschreibungen mehr zu. Wer hier ankommt, merkt schnell: Das ist kein gewöhnlicher Handwerksbetrieb – sondern ein modernes Unternehmen, das mit seiner Innovationskraft bundesweit Maßstäbe im Holzbau setzt. Um besser zu verstehen, wie es dazu kam, steht ein Gespräch mit den Eigentümern an.

ERFOLGREICHES DUO DER GEGENSÄTZE

Alexander Gumpp, 60, und Josef Maier, 57, wirken auf den ersten Blick wie Gegensätze. Der eine lebt 200 Meter von der Firmenzentrale entfernt, der andere pendelt täglich 45 Kilometer zur Arbeitsstätte. Gumpp ist ein strategischer Denker, tief vernetzt in Forschung, Gremien und der Holzwirtschaft. Einer, der schnell spricht und seine Visionen in Sätze verbrieft, die eine halbe Buchseite füllen können. Maier wiederum ist Pragmatiker mit klarem kaufmännischem Blick – einer, der sich problemlos zurücknimmt und seinem Kompagnon das Wort überlässt. Der dafür Prozesse anschiebt, Zahlen versteht, das operative Geschäft leitet und knallhart verhandelt. Und doch, oder gerade deshalb, sind sie als Duo so erfolgreich. Was hier als klassischer Zimmereibetrieb entstand, entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der modernsten Holzbauunternehmen Deutschlands.

Josef Maier und Alexander Gumpp mit ihrer beruflichen Nachfolgerin Franziska Gumpp

LEBENSRÄUME FÜR DIE ZUKUNFT

Holen wir dazu ein wenig aus: Die gemeinsame Geschichte beginnt bereits in den 1990er-Jahren, als sich ihre Wege über damals konkurrierende Holzbauunternehmen kreuzen. Gumpp erkennt das Talent Maiers und holt ihn, nach der Insolvenz des Betriebes, als Projektleiter ins elterliche Unternehmen. Jahre später, nach seiner eigenen unternehmerischen Krise will sich Alexander Gumpp aus der Selbständigkeit zurückziehen und fortan als angestellter Ingenieur arbeiten. Da steht Josef Maier mit einem Angebot vor ihm: „Wenn wir’s nochmal machen – dann nur gemeinsam.“

Am 16. März 2004 ist es so weit: Gumpp & Maier wird gegründet. Fünfzehn Mitarbeiter, drei Millionen Euro Umsatz. Heute, 21 Jahre später: 150 Mitarbeitende, über 35 Millionen Euro Umsatz – Tendenz steigend. Doch Zahlen erzählen auch hier nur die Hälfte der Geschichte. Von Anfang an war den beiden Visionären klar: Es geht nicht nur darum, Häuser zu bauen, sondern Lebensräume zu schaffen, die gesund, nachhaltig und zukunftsfähig sind. Die persönliche Nähe zu den Kunden und Mitarbeitenden steht dabei als Statut tief verankert in der Wertehierarchie ihrer Firma.

GEKONNTE EFFIZIENZ

Ob Zimmerer, Vorabeiter, Bauleiterin oder Projektplaner: Alle ziehen hier an einem Strang. Besonders sichtbar wurde dieser Teamgeist beim Anbau der firmeneigenen Produktionshalle, bei dem große Teile der Belegschaft selbst mit anpackten – ganz im Sinne der gelebten Firmenkultur. Und so stellt die weitläufige Produktionshalle mit ihren automatisierten Fertigungslinien heute auch das Herzstück des Unternehmens dar: Die Elemente, die hier gefertigt werden, sind oft mehrere Meter hoch und bis zu fünf Tonnen schwer. Was millimetergenau zugeschnitten und vormontiert wird, geht später als komplette Wand-, Decken- oder Fassadeneinheit auf die Reise – teilweise quer durch Deutschland. Der modulare Vorfertigungsansatz macht hierbei den Unterschied: Er sorgt für Präzision, Geschwindigkeit und Effizienz auf der Baustelle, wo die einzelnen Elemente wie ein maßgeschneidertes XXL-Puzzle zusammengesetzt werden. Die Präzision liegt bei über 94 Prozent – was bei maßgeblichen 1:1 Fertigungen nahezu einzigartig ist.

Fliegende Wände: Mit höchster Präzision werden in der Werkshalle die einzelnen Hauselemente gefertigt.


Als einen der Gründe für die hohe Perfektion verweist Alexander Gumpp auf die langjährige Arbeit mit 3-D-Modellen: „Im Holz- bau arbeiten wir schon seit 25 Jahren mit 3 D-Modellen. Da hat man in der Automobilindustrie noch die Spaltmaße per Hand gemessen“, lacht er und Josef Maier ergänzt: „Bei uns wird alles CNC-mäßig zugeschnitten, dann geht die Außenwand über die Fertigungslinie, Beplankungsschichten kommen drauf, diese Beplankungsschichten sind natürlich vorgeplant. Das heißt, es ist definiert, wo ein Plattenstoß ist. Somit werden dann die Platten auf das Tragwerk gesetzt, es wird automatisch abgeklammert und automatisch abgeschnitten. Anschließend wird die Wand automatisch gewendet. An den Decken haben wir Laser, die dann auf die Wand projizieren, wo in der nächsten Lage Unterkonstruktionen positioniert werden. Bei uns muss nichts eingemessen werden. Das läuft alles über Laser.“ Aber auch bei den Außenverkleidungen wird exakt vorgeplant, genau in der Einteilung vorgeheftet und anschließend per modernster Bearbeitungsbrücke in Sekundenbruchteilen alles zusammengeschraubt.

Der erbaute Kirchturm der Apostelin-Junia-Kirche ist bis heute das Herzensprojekt von Alexander Gumpp.


Doch trotz aller Digitalisierung bleibt das Entscheidende analog: Die Erfahrung, Sorgfalt und Verantwortung. Wie steht es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Betrieb? „Wir nutzen KI dort, wo sie uns entlastet – derzeit maßgeblich bei der Suche nach Informationen und der Analyse komplexer Bauakten, die ausgedruckt, jede einzelne für sich, meterhoch wäre“, sagt Gumpp. „Alles andere wird sich zukünftig zeigen. Aber bauen tun wir immer noch mit Verstand und Bauchgefühl“, führt er weiter aus.

LEBENDIGER BAUSTOFF MIT ZUKUNFT

Dabei darf neben der technologischen Präzision auch das Verständnis für das verwendete Material nicht außer Acht gelassen werden. Aus Überzeugung baut Gumpp & Maier nur mit regionalem Holz. Dieses ist PEFC- oder FSC-zertifiziert, das heißt, alle Hölzer, vorwiegend die heimische Fichte, stammen aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Alexander Gumpp erklärt: „Unser Konstruktionsvollholz kommt nie weiter als aus 150 Kilometern Entfernung zu uns.“ Verändert sich infolge des Klimawandels der Baustoff Holz, müssen Gumpp & Maier zukünftig andere Hölzer beziehen, weil manche aufgrund des trockenen Bodens hier nicht mehr wachsen werden? „Ja, das ist in der Tat eine Herausforderung der Zukunft“, sinniert Alexander Gumpp, verweist aber auch auf die weit vorausschauende Planung der Bayerischen Staatsforsten. Darüber hinaus wird der Anteil der Fichte zurück gehen, da andere Nadelbäume ins Sortiment kommen, die besser an die veränderten Klimabedingungen angepasst sind. „Aber für die nächsten 15 bis 20 Jahre planen wir sogar mit erhöhten Erntemengen an Fichte, weil die raus muss, da sie als Flachwurzler den Stürmen nicht mehr standhält und wenn sie umfällt, der Borkenkäfer kommt – und dann aus einem Wertstoff möglicherweise ein Brennstoff werden würde“, erklärt Alexander Gumpp den Sachverhalt.

VON KAPELLEN UND HOLZSKELETTBAUWEISEN

Wer wissen will, was das Unternehmen kann, sollte sich seine Bauwerke ansehen. Oder die sieben Wegekapellen besuchen, die entlang von Radwegen im schwäbischen Donautal entstanden sind. Diese kleinen Bauwerke sind weit mehr als reine Architektur: Sie sind Orte der Ruhe, der Einkehr und der gelungenen Verbindung von Mensch und Natur. Dr. Peter Fassl, ehemaliger Bezirksheimatpfleger, entwickelte mit Siegfried Denzel, Unternehmer aus Wertingen, die Idee. Gumpp & Maier haben die sieben Kapellen nicht nur erbaut, sondern auch technisch geplant, koordiniert und begleitet. Bauherren, Architekten, Behörden – alles lief hier in Binswangen zusammen. Projektdauer: gute zwei Jahre.

Im Bereich Gewerbebau wiederum sorgte das futuristische Bürogebäude der Augsburger Euregon AG für breite Aufmerksamkeit: ein dreigeschossiger Holzskelettbau aus BauBuche mit 4.700 Qua- dratmetern Nutzfläche. Der Bau wurde nicht nur für seine architektonische Klarheit, sondern auch für seine energetische Qualität prämiert – im Rahmen des Bundeswettbewerbs HolzbauPlus. Noch spektakulärer hingegen 2018 die Umsetzung des neuen Kirchturms für die Apostelin-Junia-Kirche im Sheridan-Park in Augsburg: Dazu wurde der 24 Meter hohe Kirchturm aus Eiche sowie Fichtenholz in einem Stück komplett vormontiert und inklusive der Glocken per Schwertransport zur Baustelle gefahren. Sein Gewicht: rund 20 Tonnen. Innerhalb weniger Stunden war der Turm errichtet – ein logistisch ebenso herausforderndes wie symbolträchtiges Projekt. Das bis heute nachhallt. „Es ist der
Traum eines jeden Baumeisters einmal eine Kirche zu bauen. Das war etwas ganz Besonderes und bewegt mich nach wie vor sehr“
, reflektiert Alexander Gumpp. Und man merkt: Bis heute ist es sein Herzensprojekt geblieben.

Pfarrerin Alexandra Caspari mit Alexander Gumpp im Gespräch

KLIMANEUTRALITÄT AUS ÜBERZEUGUNG

Während andere noch über Nachhaltigkeit sprechen, hat das eigentümergeführte Unternehmen längst investiert: in neue Fertigungslinien, in Forschung, in Digitalisierung. Jedes Jahr fließt mindestens eine Million Euro in die weitere Modernisierung. Seit Anfang 2023 ist das Unternehmen offiziell klimaneutral – zertifiziert von der Initiative Klimaschutz Holzindustrie. Grundlage ist eine CO2-Bilanzierung nach GHG-Protokoll, ergänzt durch konkrete Reduktionsmaßnahmen und Kompensation. Die Verwendung von nachwachsendem Holz aus zertifizierter Forstwirtschaft, der weitgehende Verzicht auf Beton und Stahl sowie ein intelligentes Recyclingkonzept gehören dabei zum Selbstverständnis von Gumpp & Maier. Ein Ziel, das sich durch alle Ebenen zieht: ökologisch denken, nachhaltig bauen. Und doch bleiben sie realistisch. „Die Klimaziele werden wir reißen“, sagt Gumpp nüchtern. „Und zwar deutlich.“ Die Konsequenzen werden uns zwingen, radikal umzudenken. Dabei ist nicht der Baustoff das Problem, sondern die Erwartungshaltung: mehr Fläche, mehr Komfort, mehr Individualität. Vielleicht, so Gumpp, sollten wir nicht „immer über Quadratmeterpreise reden – sondern zukünftig über Baukosten pro Kopf“. Im Holzbau liegt ein Teil der Lösung. Nicht, weil es trendy ist, sondern weil es funktioniert. Vom Einfamilienhaus bis zum Schulkomplex – der prozentuale Anteil in Holzbauweise wächst. Und mit ihm auch das Know-how.

HEIMAT UND HORIZONT

Trotz allem Wachstum und geplanter Expansion ist eines klar: Binswangen bleibt. Ein Standortwechsel stand nie zur Debatte. „Unser Kapital sind die Menschen“, sagt Josef Maier. „Die nimmt man nicht einfach mit.“

Und was bleibt von einem Tag bei Gumpp & Maier? Der Geruch von Holz. Das Gefühl für die Mannigfaltigkeit des Materials. Und die leise Erkenntnis, dass es Unternehmen gibt, die sich ihrer Verantwortung wirklich stellen. Mit klaren Werten und einem tiefen Verständnis für Material und Menschen gestaltet Gumpp & Maier die Zukunft des Bauens – immer mit dem Ziel, Räume zu schaffen, die weit mehr sind als Gebäude: Heimat.

Alexander Gumpp und Josef Maier gründeten 2004 ihr Holzbauunternehmen. Ein Gespräch über zukunftsweisendes Bauen, das prognostizierte Scheitern des 2-Grad-Klimaziels, Nachfolgeregelungen und die Verantwortung für die firmeneigenen Mitarbeiter.

Herr Gumpp, Herr Maier, wie unterscheidet sich Gumpp & Maier im Vergleich zu anderen Firmen, die ebenfalls in Holzbauweise fertigen?

Gumpp: Ob und wie wir uns unterscheiden, müssen andere beurteilen. Was wir aber machen ist, dass wir vier bis fünf Jahre vorausplanen. Wir antizipieren Märkte und deren Entwicklun- gen und konnten so bereits viele Entwicklungen im Holzbau mit anstoßen. Wir haben interne Forschungsprojekte, kooperieren mit Universitäten und Hochschulen. Wir sind im Holzbau im- mer vorne dran und von daher wird relativ aufmerksam beobachtet, mit was sich Gumpp & Maier gerade beschäftigen.

Womit beschäftigen Sie sich denn gerade?

Gumpp: Im Moment liegt das Thema Kreislaufwirtschaft auf Platz 1. Wir lernen gerade sehr viel darüber, wie die Rückbaubarfähigkeit von Gebäuden und deren Kreislaufwirtschaftsfähigkeit umgesetzt werden können. Wir probieren Dinge aus und sehen, wo es noch mehr Forschung braucht, wo mehr Anwendung in der Praxis notwendig ist. Darin unterscheiden wir uns von anderen Mitbewerbern.

Wenn Sie vier, fünf Jahre nach vorne schauen, können Sie uns beschreiben, wo die Entwicklung hingeht und was sich verändern wird?

Gumpp: Das momentan für mich wahrscheinlichste Szenario ist, dass wir auch zukünftig alle Klimaschutzziele reißen werden! Wir lassen die Realität seit 40 Jahren verifizieren, obwohl alle großen Rechnungen der Klimaforscher relativ gut passen. Der Club of Rome hat diese 1985 validiert. Die Veränderungen werden kommen, wir schießen deutlich über die 2 Grad hinaus. Und irgendwann können wir die Emissionseinsparungen nicht mehr in die Zukunft, also stets um eine Wahlperiode, weiterschieben, sondern die unmittelbaren Auswirkungen sind dann da. Erst dann wird es beginnen, dass Emissionen Geld kosten. Wir sind in der Bauwirtschaft ein Zweig, der bereits heute Kohlenstoff emissionsneutral agiert und in der Lage ist, auch damit Geld zu verdienen. Es wird gravierende Verschiebungen im Baubereich geben. Und ich bin davon überzeugt, dass es definitiv in Richtung Holzbau gehen wird.

Verschiebungen auch in Bezug auf die Baukosten?

Gumpp: Ganz klares Ja. Unsere Baukosten werden sich ver- ändern, aber nicht aufgrund von Gebäudeklasse E, sondern durch viele Komponenten, die nichts mit Bauen und Errichten von Gebäuden zu tun haben. Wenn es, aufgrund von Klima- veränderungen, um den Menschenschutz geht und wir anders bauen müssen. Ein weiterer Treiber der Holzbauweise ist die Fi- nanzwirtschaft der EU: Die EU-Taxonomie, CSR, diese ganzen Nachhaltigkeitsthemen, die mittlerweile in der Finanzwelt an- gekommen sind. Dort arbeiten höchst konservative Burschen, die weder am Klimaschutz noch an Nachhaltigkeit interessiert sind, sondern daran, dass ihre Assets nicht an Wert verlieren. Und die sagen dann: Es müssen kreislaufwirtschaftsfähige Gebäude sein, die den Anforderungen an die EU-Taxonomie ent- sprechen. Dann wird das umgesetzt. Man sieht heute schon, wie viele der investorengetriebenen Gebäude – und das sind zum Teil riesengroße Gebäude – aus Holz errichtet werden.

Können Sie den bundesweiten, prozentualen Anteil an Holzbauweise beziffern?

Maier: Bundesweit sind circa 25 Prozent der Ein- und Zweifamilienhäuser in Holzbauweise errichtet. Beim Nichtwohnbau, also Büro und Gewerbe, ebenfalls ungefähr 25 Prozent. Und im mehrgeschossigen Bau sind wir jetzt bei 8 Prozent. Allerdings beträgt hier die Steigungsrate in den vergangenen 10 Jahren von 2,9 auf jetzt 8 Prozent. Das resultiert daraus, dass wir erst seit Ende der 1990er Jahre Gebäude ab drei Geschossen in Holzbau- weise errichten dürfen. Die Prognosen sind auf allen Ebenen also durchweg positiv.

Wie viel Holz läuft bei Ihnen in Binswangen im Jahr durch?

Gumpp: So grob 20.000 Kubikmeter.

Könnten Sie noch mehr fertigen – oder wäre dazu ein Hallenneubau notwendig?

Maier: Wir befinden uns im ständigen Wachstum. 2004 sind wir hier mit 15 Mann gestartet und hatten einen Umsatz von knapp 3 Mio. Euro. Heute sind wir 150 Mann und haben einen Umsatz von über 35 Mio. Euro. Daran können Sie das Wachs- tum über die letzten zwei Jahrzehnte gut nachvollziehen. Unsere Planung umfasst bis 2035 eine Umsatzgröße von rund 50 bis 60 Mio. Euro. Bis dahin ist auch eine weitere Produktionshalle geplant – von einem Nachbarn konnten wir bereits das dafür notwendige Grundstück erwerben.

Darf ich fragen, wie lange Sie noch als Geschäftsführer dabei sein wollen, wenn Sie bereits auf Zahlen für 2035 verweisen?

Gumpp: Fragen Sie mal die junge Dame zu meiner Linken … Franziska Gumpp: Im Moment ist geplant, dass ich die Anteile von meinem Vater übernehmen werde und auf lange Sicht auch die von Josef Maier.

Maier: Im Unternehmen haben wir bereits den klaren Fahr- plan kommuniziert. Franziska Gumpp wird die nächsten fünf Jahre an die Geschäftsführung herangeführt und dann soll der Übergang in die Geschäftsführung und der Übergang der Anteile an Franziska erfolgen.

Frau Gumpp, war es für Sie immer schon klar, dass Sie eines Tages die Firma weiterführen?

Franziska Gumpp: Ich bin hier im Betrieb groß geworden. Hin- zu kommt, dass beide Großeltern eine Zimmerei hatten. Ich habe natürlich, als ich jünger war überlegt, ob ich etwas anderes machen will, habe dann aber einen guten Ausbildungsplatz und ein gutes Studium gefunden und so ist bereits der Hintergedanke entstanden, dass ich eines Tages die Firma übernehmen will. Für den Prozess mit der zentralen Frage, ‚Mach ich es wirklich?‘ lassen wir uns von einem systemischen Coach begleiten.

Franziska Gumpp


Was haben Sie studiert, wenn ich fragen darf?

Franziska Gumpp: Ich habe Zimmerer gelernt, dann Bauprojektmanagement studiert und den Zimmerermeister gemacht. Kürzlich habe ich in Augsburg den berufsbegleitenden Master Bauprojektmanagement mit Vertiefung Fachingenieur Holzbau abgeschlossen.

Gumpp: Wenn ich zu unserer Nachfolgregelung noch etwas ergänzen darf: Seit 2022 ziehen wir uns ganz bewusst eine zweite Führungsebene mit jungen Mitarbeitenden heran – der Jüngste ist 32, der Älteste knapp 40 Jahre alt. Unser Invest ist dabei die gezielte Begleitung durch einen Coach, der den neuen Führungskräften eine systemische und wertebasierte Führung vermittelt.

Gab es 2022 einen Auslöser für die Entscheidung, eine zweite Führungsebene aufzubauen?

Maier: Das war vor allem dem Wachstum geschuldet. Wir ka- men an eine Grenze, als wir 60 Mitarbeiter hatten und spürten, dass es jetzt nicht mehr ganz so einfach wie mit 30 und 40 Mitarbeitenden ist – und dann haben wir begonnen die zweite Führungsebene aufzubauen, um bewusst Verantwortung abzu- geben. Heute ist diese Führungsebene klassisch nach Verant- wortungsbereichen getrennt: Vertrieb, Produktion, Planung, Projektleitung, kaufmännische Leitung.

Gumpp: Was so einfach klingt, ist ein Prozess, den auch wir erst erlernen mussten. Man darf nicht vergessen, wir sitzen, seitdem wir das Unternehmen gegründet haben, im gleichen Büro. Wir haben zwar eine Trenntüre, die ist aber nur zu, wenn wir ge- meinsame Videokonferenzen haben, so dass wir uns nicht doppelt hören. Sonst ist die immer auf. Wir sind somit die kürzesten Entscheidungswege gewöhnt und treffen diese ganz informell und schnell. Und wenn man dann eine neue Führungsebene hat – das ist ja auch eine Generationenfrage – mussten wir erst- mal lernen, dass man in unserer Gesellschaft viele, viele Dinge, die eigentlich gar nicht wichtig sind, ausdiskutieren muss. Und das war für uns, die es gewöhnt waren, dass wir ganz schnell entscheiden, ein Punkt, der für alle zu Beginn etwas schwierig war – auch für diejenigen, die lernen sollen, Verantwortung zu übernehmen.

Maier: Sie entscheiden natürlich auch über fremdes Kapital und wir haben immer über unser eigenes entschieden und aufgrund unseres Wachstums haben wir gelernt, auch mal zwi- schen Tür und Angel, zu entscheiden.

Gumpp: Ich erinnere mich, dass wir vielleicht ein oder zweimal kontrovers diskutiert haben, ob‘s das Investment jetzt braucht, aber sonst haben wir einfach gemacht.

Maier: Und wenn man sieht, was wir in all den Jahren investiert haben, dann werden sich heute wahrscheinlich viele die Augen reiben: Wir haben 2018 eine neue Fertigungslinie gestartet, die einzigartig in Deutschland war. Dieses Jahr kommt eine neue Fertigungslinie, die voll automatisiert ist, hinzu. Da reden wir über Investitionen in Millionenhöhe.

Gumpp: Es waren Minimum eine Million Euro, die wir jedes Jahr in die Firma investiert haben.

Die Mitarbeiterführung ist Ihnen wichtig, Sie leisten zudem weitreichende Investitionen. Bekommen Sie dadurch auch neue Mitarbeiter? Indem Ihre Monteure nach außen hin kommunizieren, dass sie gern bei Gumpp & Maier angestellt sind?

Gumpp: Wir sind vor allem im Bereich der Lehrlingsakquise sehr erfolgreich. Unser Produktions-, und Fertigungsleiter Daniel Schäfer hat das alles unglaublich gut im Griff. Das hat sich mittlerweile rumgesprochen, daher bekommen wir überproportional viele Lehrlinge. Über unsere Forschungskontakte zu den Hochschulen bekommen wir zudem sehr viele Praktikanten. Wobei wir immer versuchen, diese Nomaden außen vor zu lassen …

Nomaden …?

Gumpp: Ja, die sozialen Netzwerke gaukeln den Leuten vor, dass man heutzutage nie länger als drei bis vier Jahre irgend- wo bleiben darf, um den eigenen Marktwert zu steigern. Das führt nur dazu, dass die langjährigen Mitarbeiter eigentlich immer schlechter bezahlt werden, weil diese jungen Nomaden bei jedem beruflichen Wechsel einen Gehaltssprung mitnehmen wollen. Wir schauen, dass wir die Mitarbeiter von den Hoch- schulen bekommen und es schaffen, die dann bei uns halten.

Hand aufs Herz: Wie schaut es mit der Work-Life- Balance bei Gumpp & Maier aus?

Gumpp: Das ist ein großes Thema. Josef Maier und ich haben ja vorhin vom Gasgeben und mit Tempo Entscheidungen treffen gesprochen. Wenn jetzt diese schnellen Entscheidungen nicht mehr funktionieren, da man alles ausdiskutiert, dann wird es schwierig. Ich bin davon überzeugt, dass eine Volkswirtschaft einen gewissen Prozentsatz dieser, ich nenne sie mal Vollgasjungen- und Vollgasmädels braucht, damit es weiterhin voran geht. Wenn dann aber der dritte oder vierte Kicker oder ein Billardtisch in den „Open Spaces“ gewünscht wird, damit man mehr „Wellbeing“ verspürt, wird es für mich schwierig.

Setzen wir noch einen drauf: Was ist mit dem Thema 4-Tage-Woche?

Maier: Die Mitarbeiter, die bei uns auf Wochenmontage gehen, Montag in der Früh starten und am Donnerstagabend heimkommen, die haben eine 4-Tage-Woche. Sonst niemand. Grundsätzlich halten wir an der 5-Tage Woche fest und haben das 40-Stunden-Wochenmodell. Nur langjährige und sehr verdiente Mitarbeiter bekommen bei uns eine Ausnahme gewährt. Aber, um auf die Frage nach der Mitarbeiterbewerbung zurück- zukommen: Ich glaube schon, dass alle unsere Mitarbeiter wissen, dass wir ein personengeführtes Unternehmen mit maximaler sozialer Verantwortung sind. Wir wissen sehr wohl, wo beim Einzelnen private Probleme existieren. Unsere Mitarbeitenden wissen, dass sie auch mit ihren privaten Anliegen zu uns kommen können und wir immer ein offenes Ohr haben. Das trifft nicht nur auf Alexander und mich, sondern auch auf Franziska und unsere zweite Führungsebene zu.

Gumpp: Ich sehe mich als inhabergeführtes Unternehmen nicht unbedingt verantwortlich dafür, zur Verfügung zu stehen, wenn es darum geht, das Wohlbefinden zu steigern. Ich bin aber für unsere Mitarbeiter da, wenn es wirklich drauf ankommt! Wenn der Mitarbeiter einmal sprichwörtlich in der Scheiße steckt. Spätestens dann braucht er kein Jobrad mehr, kein Incentive-Goodie, kein Billiardzimmer, da braucht er jemanden, der ihm hilft. Und das sehe ich als meine Verantwortung für unsere Mitarbeiter an. Und das unterscheidet inhabergeführte Betriebe von managementgeführten.

Abschließende Frage: Die Bundesregierung möchte Baugenehmigungspläne schneller genehmigen lassen. Hat das auch unmittelbare Auswirkungen auf Ihre Aufträge?

Gumpp: Wenn die Bundesregierung das will, dauert es ja schon mal, bis sie diese neue Verordnung an alle Landratsämter gefaxt hat. Die Information muss ja erstmal dahin kommen. Der Bau- antrag soll fortan nach 12 Wochen genehmigt sein. Aber nicht überall gibt es den dafür notwendigen, digitalen Bauantrag. Und wenn Sie nicht ankreuzen, dass Sie auf diese Genehmigungsfiktion verzichten, können Sie sicher sein, dass an ihrem Bauantrag garantiert irgendwas falsch eingereicht worden ist. Die Bauanträge kommen dann zurück, das ist kein Scherz. Diese ganzen Bürokratieebenen müssten erstmal abgeschafft werden, bevor es vorangehen kann. Nicht zu vergessen: Wir sind föderalistisch und dazu gehört auch das Baurecht. Wir kämpfen hier beim Holzbau mit 16 Landesbauordnungen. Und natürlich ist das für ein Land wie Deutschland nicht unbedingt funktional.

Pia Hart (Text) und Daniel Biskup (Fotos)

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