Die historische Pfladermühle in der Augsburger Altstadt ist die Keimzelle für ein heute international erfolgreiches Kosmetikunternehmen: Mit einer Führungs-Doppelspitze balanciert das Familienunternehmen Dr. Grandel GmbH zwischen Schönheit und Gesundheit, Beruf und Familie, Wirtschaftlichkeit und Tradition in Richtung Zukunft – bereits in dritter Generation.
Es ist wie Meditation, wenn die Creme in den Tiegel läuft“, so beschreibt die Geschäftsführerin Ariane Grandel den Moment der Abfüllung von kosmetischer Creme. Der Produktionsraum mit den vollautomatischen Homogenisier- und Dispergiermaschinen ist eine ihrer „Lieblingsabteilungen“. Seit 2019 führt sie, gemeinsam mit ihrem Cousin Dr. Gabriel Duttler, die Dr. Grandel GmbH. Sie nennen ihre Firma „Beautyness Company“.

Am Anfang stand die Pfladermühle in Augsburg und eine Idee, die ihrer Zeit weit voraus war. „Wie lässt sich der Weizenkeim, der reich an Fetten und Ölen ist – und damit schnell verdirbt – länger haltbar machen?“ Mit dieser kritischen Frage startete der Chemiker Dr. Felix Grandel in seine Forschung. Auf der Suche nach Nahrungsergänzung und später Kosmetik analysierte der Großvater der jetzigen Geschäftsführerin Ariane Grandel die Abfallprodukte der Getreideverarbeitung: Schale, Kleie und Keim. Schlussendlich ließ er ein Fermentierungsverfahren patentieren, nach dem noch heute die Weizenkeime verarbeitet werden. Ein Mazerat aus dem Weizenkeim war auch der Start in die Welt der pflegenden Kosmetik. Die erste Kreation trug damals den Namen „Epigran“ und ist bis heute Bestandteil der Pflegeserie Elements of Nature.
Wir sollten uns jeden Tag klar machen, dass es nur miteinander und Hand in Hand geht
Ariane Grandel steht im Atrium der Beautyness-Company, strahlt und führt uns durch den sogenannten „Beauty Walk“ – und damit durch die Historie des Unternehmens. Umgeben von pharmazeutischer Reinheit und einem molekülartigen Leuchter, den die Mutter konzipierte, erläutert sie die Anfänge: „Mein Großvater war immer sehr daran interessiert, Wirksamkeit und Verträglichkeit zu vereinen, er dachte zudem sehr ganzheitlich.“ Das Beispiel Kamille zeige das plastisch: Auf der Haut könne die Kamillenpflanze zu Irritationen führen. Bei der Extrahierung des Azulens, des blauen Wirkstoffs, der in eine Creme gegeben werde, würde man aber eine sehr intensive regenerierende Wirkung erhalten, das hätte Felix Grandel erkannt. „Die Blaue Creme gibt es bis heute und ist ein gutes Beispiel dafür, wie mein Großvater stets versuchte, so viel Wirksamkeit wie möglich in den Tiegel zu bekommen.“ Er wirkte damals in der denkmalgeschützten Augsburger Pfladermühle, in deren Nähe er Gärten hatte. Mitarbeiter pflückten dort noch Pflanzen für die Herstellung der Kosmetikprodukte. Über die Weizenkeimkosmetik und das legendäre Epigran erschloss er sich sukzessive den Zugang zum Kosmetikmarkt.
EXTRA HOHE ANSPRÜCHE AN ROH- UND WIRKSTOFFE
Die Erfolgsgeschichte schrieb in der zweiten Generation der Sohn Michael Grandel fort – immer mit Fokus auf die höchsten Anforderungen bei der Auswahl der Roh- und Wirkstoffe. Er baute das Unternehmen zu einem international renommierten Unternehmen mit Auslandsvertretungen in mehr als 50 Ländern aus. 1989 ließ der Diplom-Ökonom das vollautomatisierte Hochregallager an der Friedberger Straße errichten. 2018 wurde der dreigeschossigeNeubau auf 3.750 Quadratmetern eröffnet – die Beautyness-Manufaktur mit Atrium, die Forschung, Entwicklung und erlebbare Produktion beheimatet.
Arianes Vater wünschte sich ein zukunftsträchtiges Unternehmen mit den neuesten Standards. Ariane Grandel und Gabriel Duttler übernahmen das Unternehmen schließlich 2019.

Der Übergang zur nächsten Generation verlief anders als geplant: „Ursprünglich wollten wir meinen Vater etwas länger begleiten, nach seinem überraschenden Tod nahmen wir aber viel schneller unsere Rollen ein. Die Stärke des Familienunternehmens und die Haltung „Jeder greift einem unter die Arme“ hätten sie damals stabilisiert. Kurz nach dem Tod des Vaters ging es mit der Corona-Zeit herausfordernd weiter: „Diese Zeit brachte ‚ein totales Durcheinander‘ an den Märkten. Rohstoffpreise, die um zweistellige Prozentsätze stiegen, Paletten für den Export, die das Zehnfache kosteten, Kunden, die keine Ware abnahmen.“
Auf Augenhöhe miteinander umgehen, das sei die Priorität im Wertekanon ihres Vaters gewesen – und der habe sich in der herausfordernden Zeit bewiesen. „Ja, das ist unsere Vision, die wir uns jeden Tag verdeutlichen: Uns geht es in erster Linie um den Mensch, dann erst um das Unternehmen. Auch von den Geschäftspartnern wollen wir mit Respekt und auf Augenhöhe behandelt werden. Wir sollten uns jeden Tag klar machen, dass es nur miteinander und Hand in Hand geht“, sagt sie, nickt einem Mitarbeiter zu und begrüßt eine Mitarbeitende in der Produktion.
ERLEBBARE PRODUKTION UND SAUBERRÄUME
Als der Film über das Unternehmen endet, der parallel zu ihren Erklärungen im Beauty-Walk zwischen Atrium und der Produktion lief, wird die vermeintliche Wand transparent und eröffnet den Blick durch eine großflächige Glasscheibe in den Konfektionsraum von Grandel. Kleine Tiegel drehen sich in den Maschinen, Cremes werden in Behälter abgefüllt, Ampullen werden per Feuerstrahl geöffnet, befüllt und wieder verschlossen, Etiketten automatisiert aufgebracht. Die Mitarbeitenden arbeiten ruhig und entspannt, nach außen dringen kaum Geräusche. „Wir haben einige Schritte, die per Hand gemacht werden – das Abfüllen von Bodyprodukten in große Tiegel beispielsweise. Die meisten Prozesse laufen aber natürlich automatisiert ab.“

Über 100 Mitarbeitende sind in der Pfladergasse, Werk 1, und in Werk 2, in dem sich Lager, Forschung, Labor, Produktion und Logistik befinden, aktiv. Hinzu kommen der Außendienst für die Marken, die Tochtergesellschaft in Salzburg und viele weite-re Akteure.
Von der Konfektionierung aus läuft Ariane Grandel auf ein großflächiges Foto ihres Vaters zu, links daneben bündeln sich Auszeichnungen und Preise, die ihr Vater, das Unternehmen und auch sie selbst erhalten haben. Den Augusta Award der Stadt Augsburg, den sie letztes Jahr erhielt, empfindet sie als Ehre und vor allem Würdigung des Lebenswerks ihres Vaters.
Eva Hampl (Text) und Daniel Biskup (Fotos)
Die Leseprobe war zu kurz?

