Im März 2026 steht in Augsburg die Kommunal- und die Wahl der Stadtspitze an. Die CSU und Titelverteidigerin Eva Weber und ihr Koalitionspartner, Bündnis 90/Die Grünen, werden wohl Federn lassen müssen.
Im März 2026, wenn die Augsburger ein neues Kommunalparlament und ihr neues Stadtoberhaupt wählen, dürfte es um vieles spannender werden als vor sechs Jahren. Die CSU, bisher stärkste politische Kraft in der Fuggerstadt, dürfte in drei Monaten ihre 32,2 Prozent aus dem Jahr 2020 ebenso wenig verteidigen können, wie Oberbürgermeisterin Eva Weber ihre 62,3 Prozent, die sie zwei Wochen später in einer Stichwahl gegen den damaligen SPD-OB-Kandidaten Dirk Wurm holte. Seit der bayerischen Landtagswahl und der Bundestagswahl 2025 haben sich die politischen Gewichte in Deutschland so stark verschoben, dass jede Kommunal- und Bürgermeisterwahl in einer Großstadt davon betroffen sein wird.
Die Unionsparteien CDU und CSU sind nie mehr zu ihrer alten Stärke der Vor-Merkel-Ära zurückgekehrt. Die Sozialdemokraten haben spätestens mit der Abwahl ihres robusten Kanzlers Gerhard Schröder ihren inneren Kompass verloren. Die Grünen wiederum haben sich mit ihrem Schlingerkurs in der Ampel-Koalition selbst aus dem Rennen genommen, während die rechtsradikale AfD bei Wahlen im Bund und in westdeutschen Rathäusern inzwischen zweistellig frohlockt. Diese politische Großwetterlage wird auch die Wahlen in Augsburg spürbar beeinflussen. Alles in allem eine pikante Szenerie, die sich beim Tischgespräch von edition:schwaben mit der Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber nicht ausblenden ließ.

Ein Thema wurde bei der Tour d‘Horizon mit Weber bewusst ausgespart: die Sanierung des Staatstheaters Augsburg und die Entwicklung der Kosten. Seit dem eklatanten Scheitern einer Bürgerbefragung im Oktober 2016 zu Projektumfang und Ausgaben hat die öffentliche und publizistische Debatte jeden Bezug zur Realität verloren, weil – vorausgesetzt man will ein Fünf-Sparten-Haus – Augsburg in Deutschland deutlich am unteren Ende bei der Kostenentwicklung von Theatersanierungen und Theaterneubauten steht: Elbphilharmonie Hamburg: Start 2007 bei 77 Mio. Euro, Schlussabrechnung 2017: 866 Mio. Euro; Kölner Oper: Start im Jahr 2012 bei 253 Mio. Euro, Schlussrechnung nach Eröffnung in 2026 so gut wie bei 1,5 Milliarden Euro; Staatstheater Augsburg: Kostenprognose 2016: 186 Mio. Euro, die Endabrechnung (2028/29) dürfte bei rund 417 Mio. Euro liegen. In Hamburg stiegen also die Kosten gut um das 11-Fache, in Köln wird die Oper gut um das 6-Fache teurer abgerechnet, während sich Augsburg mit dem Kostenfaktor 2,2 im Vergleich zu den Bauten in Hamburg und Köln geradewegs bescheiden ausnimmt.
Abgesehen von dem im „Tischgespräch“ ausgesparten Punkt „Theater“ erwies sich just das Thema „Kultur“ als hilfreich, um Eva Weber eine Einschätzung zum Abstimmungsverhalten der rund 215.000 Augsburger Wählerinnen und Wähler im kommenden März, zu ihrer Wiederwahl als Oberbürgermeisterin oder zu künftigen Koalitionen zu entlocken.
Nachdem sie vorher alles Nachbohren dazu souverän mit Standardsätzen wie „Wir werden sehen, was der 8. März bringt“ abgeblockt hatte, kam irgendwann das Gespräch auf den lange herbeigesehnten Neubau eines römischen Museums, der seit mehr als zwanzig Jahren immer wieder aus budgetären Gründen verschoben wurde. Bei diesem Vorhaben bot es sich an, nochmals ganz beiläufig nachzufragen, ob sie wohl in ihrer Zeit als Oberbürgermeisterin den Spatenstich vornehmen werde. Das „Ja“ war nicht zu überhören. Dieser symbolische Akt dürfte frühestens im Herbst nächsten Jahres stattfinden, wenn die Oberbürgermeisterfrage längst geklärt ist.

Fünfeinhalb Jahre Kommunalpolitik lassen sich nicht in einem verbalen Parforceritt von zwei Stunden abhandeln, auch wenn Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber die Kunst des wortreichen Stakkatos beherrscht. Sie braucht keine Aufwärmphase, um auf journalistische Betriebstemperatur zu kommen. Sie weiß längst damit umzugehen, dass ihre Argumente und ihre Sichtweise zu den vielen Themen, die die Bürger ihrer Stadt bewegen, nur in Teilen auf Papier wiedergegeben werden können. Aber trotzdem hat sie an diesem Mittwoch im November Spaß daran, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern.
Stichwort: Römermuseum, das die Augsburger mindestens seit ihrer 2.000-Jahrfeier begleitet und zu „Augsburgs immerwährendem Phantasiegebilde“ zu werden drohte. Eva Weber hat, nachdem sie ein paar Linguine aufgespießt und im Salat gestöbert hat, richtig Lust über die Stadt und die Römer zu sprechen.
„Es war Dezember 2023 und ich saß in einer Verwaltungsratssitzung der Stadtsparkasse Augsburg und Herr Blume, der bayerische Kultusminister, versuchte die ganze Zeit mich telefonisch zu erreichen. Irgendwann bin ich dann rausgegangen, da ich vermutete, irgendetwas müsse ihn wohl drücken. Er wiederum überraschte mich ohne weitere Erklärung mit der Frage: ‚Und wie findest Du es?‘ – ‚Ich sage, was?‘ – ‚Ja, hast Du von der Regierungserklärung des Ministerpräsidenten nichts mitbekommen?‘ – ‚Markus, klär ́ mich auf, was ist denn los?‘ – ‚Der Ministerpräsident hat das Thema <Römer in Augsburg> aufs Tablett gehoben, und dass wir da jetzt einsteigen!‘ – ‚Okay! Wow!‘ Das war eine überraschende Nachricht. Mir war immer klar, dass wir allein schon wegen der Gründungsgeschichte unserer Stadt etwas unternehmen müssen.“
Aber während der Corona-Epidemie habe sich gezeigt, dass Augsburg weder über die finanziellen noch die personellen Kapazitäten verfügte, um das Projekt anzugehen, wirft Weber einen Blick zurück.
Inzwischen habe man die letzten zwei Jahre genützt, um sich mit dem Kunstministerium abzustimmen. „Am Anfang hatte der Freistaat die Idee: Er baut alles und betreibt das Ganze. Am liebsten wäre es ihm gewesen, dass wir alles dem Freistaat übergeben hätten. Ich sagte, auf gar keinen Fall, ich werde nicht unsere Stadtgeschichte verkaufen! Die Wissenschaftler in München hätten ihre reine Freude daran gehabt.“
Im November legte sich nun der Freistaat fest, dass er bis zu 50 Prozent der Investitionskosten übernehmen werde. Inzwischen habe Augsburg – so Weber – seine Hausaufgaben, also eine Machbarkeitsstudie gemacht. Da seien drei Standorte geprüft worden: einmal die Basilika gegenüber dem Textilmuseum („Die wird ́s sicher nicht!“), dann das Grundstück neben der Dominikanerkirche und das Gelände des ehemaligen Gefängnisses in der Karmelitergasse. Um ihre Präferenz macht Weber keinen Hehl.
Wolfgang Oberressl (Text) und Daniel Biskup (Fotos)
Die Leseprobe war zu kurz?

