Was wagt Augsburgs Oberbürgermeister nach dem verlorenen Bürgerentscheid?
3. März 2007, 16. März 2008, 16. März 2014, 12. Juli 2015, 28. Juli 2015. Es sind jene fünf Tage, die wohl die wichtigsten Stationen im bisherigen politischen Leben von Dr. Kurt Gribl markieren. Vier davon – den Tag seiner Kür zum Spitzenkandidaten der Augsburger CSU, die Tage seiner Wahl und Wiederwahl zum Oberbürgermeister der Stadt Augsburg und den Tag, als die Staatsregierung den „Jahrhundert-Beschluss“ (Ludwig Spaenle) fasste, in Augsburg die sechste bayerische Universitätsklinik zu gründen, dürfte Kurt Gribl (51) in bester Erinnerung behalten. Tag Nummer 5 würde er mit Sicherheit am liebsten aus seiner politischen Vita streichen. Am 12. Juli 2015 musste der bisher erfolgsverwöhnte Kommunalpolitiker seine erste schmerzhafte Niederlage hinnehmen. In einem Bürgerentscheid lehnten die Augsburger den Plan Gribls ab, die Energieversorger Erdgas Schwaben und Stadtwerke Augsburg (SWA) zu fusionieren. Doch gerade dieser Tag der Niederlage, ihre politische Rezeption und vor allem die Konsequenzen, die Gribl für sein weiteres politisches Handeln zieht, werden à la longue entscheiden, ob der promovierte Jurist später einmal den wirklich großen Augsburger Oberbürgermeistern wie Georg von Wolfram (1900-1919), Klaus Müller (1947-1964) oder Hans Breuer (1972-1990) zugerechnet oder das Urteil der Augsburger über ihn zurückhaltender ausfallen wird.
Seit sieben Jahren in der Pflicht: Die vier guten Tage und der eine schlechte im Leben des Politikers Kurt Gribl Das Brecht-Zitat, mit dem der 2013 verstorbene Ehrendoktor der Universität Augsburg Marcel Reich-Ranicki stets das TV-Format „Das Literarische Quartett“ abmoderierte, „Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen“, beschreibt ganz gut die Phase, in der sich Kurt Gribl drei Monate nach der SWA-Schlappe befindet. Er wäre gut beraten, wenn er innehalten und sich fragen würde, ob es nicht an der Zeit ist, als Oberbürgermeister politischer zu werden und das Thema Bürgergesellschaft an die Spitze seiner Agenda zu setzen. Wenn er seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden will, wird Gribl nicht umhinkommen, in einer Stadt, deren Bevölkerung in Kürze mehrheitlich einen Migrationshintergrund aufweisen wird, der Vorkämpfer für eine neue Kultur des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu sein. Es wäre eine Abkehr von der Kommunalpolitik traditionellen Stils, bei der im Zweifel die Regierenden immer vorrangig die eigene Kundschaft bedient haben, um sich ihre Wiederwahl zu sichern.



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