Die Augsburger Puppenkiste feiert 2023 ihr 75. Jubiläum. Von 1948 bis heute hat sich vieles verändert, jährlich sind neue Stücke dazugekommen. Was aber geblieben ist, ist der Grundgedanke hinter dem Marionettentheater, das nicht einfach Geschichten nacherzählen will, sondern ihnen eine ganz eigene Richtung gibt.
Als am 26. Februar 1948 die offiziell erste Vorstellung der Augsburger Puppenkiste stattfand, begann diese mit einem Zwiegespräch zwischen Gründungsvater Walter Oehmichen und dem Kasperl. Letzterer war nämlich regelrecht beleidigt, weil er keine Rolle in dem ersten Stück „Der gestiefelte Kater“ erhalten hatte. Er, die wohl bekannteste Marionette. Walter Oehmichen nutzte diese Szene, um dem Publikum klarzumachen: Die Augsburger Puppenkiste soll nicht einfach ein Kasperl-Theater sein. Sondern viel mehr als das. Gesprochen wurde der Kasperl schon 1948 von Manfred Jenning. Der Augsburger war Hausautor der Puppenkiste und langjähriger Sprecher, unter anderem von Lukas, dem Lokomotivführer, in der Fernsehverfilmung von Jim Knopf. Von Beginn an war er ein Teil der Puppenkisten-Familie, nachdem er mit Walter Oehmichen vor dem 2. Weltkrieg schon am Augsburger Theater zusammengearbeitet hatte. Nach seinem Tod 1979 – Jenning starb mit nur 50 Jahren an einem Krebsleiden – kam der Kasperl rund zehn Jahre nicht mehr zum Einsatz. Erst mit Klaus Marschall, dem heutigen Leiter der Puppenkiste, bekam der Kasperl eine neue Stimme und damit wieder Auftritte auf der Bühne.
BEKANNTE GESCHICHTEN NEU ERZÄHLT
Damals wie heute bedient sich die Puppenkiste bei ihren Stücken an bekannten Geschichten. Vor allem deutschen Märchen. „Die Augsburger wollen am liebsten Stücke sehen, die sie kennen“, sagt Marschall und schmunzelt. Das chinesische Märchen „So Hi und das weiße Pferd“ (1981) ist jenes Stück im Programm der Puppenkiste, das am wenigsten nachgefragt wurde. Dann lieber zum wiederholten Male Räuber Hotzenplotz oder Schneewittchen. Dabei erzählt die Puppenkiste aber nicht einfach die Märchen nach, wie sie einst aufgeschrieben worden sind. „In der Bearbeitung sind wir recht frei und verändern sie so, dass sie auch in die heutige Zeit passen“, erklärt Marschall. Viele Ideen kommen dabei aus dem Ensemble, das letzte Wort hat er selbst. Rapunzel als eine verhuschte Prinzessin, die tatenlos oben im Turm wartet, bis sie endlich von einem Prinzen gerettet wird? Nicht in der Puppenkiste im Jahr 2023. „Unsere Prinzessin ist ein taffes Mädchen, das den Prinzen erst einmal wieder fortschickt“, sagt Marschall. Vom Publikum werden solche Veränderungen gut angenommen. Die Stücke der Puppenkiste nehmen häufig Bezug auf gesellschaftlich relevante und bedeutende Entwicklungen – mal ganz offensichtlich wie in den jährlich neu inszenierten Kabaretts, mal eher unterschwellig auf der Metaebene.



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