Erst Wanzl hat für den Verbraucher das Einkaufen bequem gemacht – mit über 50 Millionen verkauften Einkaufswagen ist die Leipheimer Firma Weltmarktführer.
Mit ihren einfachen, überaus praktischen, aus Draht gefertigten Einkaufskörben hat das schwäbische Familienunternehmen Wanzl ein Produkt geschaffen, das aus der realen Welt des Einkaufens schon lange nicht mehr wegzudenken ist und zugleich als Vorbild für jenes graphische Symbol diente, das zum Bestellen im Internet einlädt. Ohne den Klick auf das Signet „Warenkorb“ wird keine Bestellung in digitalen Shops zum Deal und ohne den gefüllten Einkaufswagen bleibt im wahren Leben die Küche kalt. Trotz dieser Omnipräsenz denkt Otto Normalverbraucher nicht eine Sekunde daran, welcher Name, welche Marke für den Hersteller seines Einkaufswagens steht, den er seit Jahr und Tag voll bestückt mit Markenartikeln zur Supermarktkasse schiebt. Mag das Papiertaschentuch für ihn Tempo heißen, das durchsichtige Klebeband Tesafilm, zum Einkaufswagen fällt ihm – wenn er kein bayerischer Schwabe ist – mit Sicherheit nicht der Name Wanzl ein. Die Leipheimer Firma war bei ihrer Selbstdarstellung stets auf Zurückhaltung bedacht. Abgesehen vom Business-to-Business-Marketing der Branche. Wanzl achtete jeher auf Understatement, wie es die Schwaben lieben: mehr Sein als Schein.
Der Einkaufswagen an sich ist nie sexy gewesen. Er ist ein klassisches No-Name-Produkt, und er ist bis auf eine einzige Ausnahme bis heute das unbekannte Wesen in der großen, weiten Welt der Markenartikel geblieben, wo Awareness das halbe Geschäft ist. Einmal geriet aber der Einkaufswagen ohne sein Zutun in die Schlagzeilen: Damals, als Jürgen W. Möllemann als Wirtschaftsminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland zurücktreten musste. Am 3. Januar 1993 tickerten die Nachrichtenagenturen, dass der illustre FDP-Politiker auf dem Briefpapier des Ministeriums für die Chips von Einkaufswagen geworben hätte, die von seinem Vetter vermarktet wurden. Die politische Meute witterte Amtsmissbrauch. Der Minister sollte stürzen. Eine kleine Plastikmünze hatte ein politisches Erdbeben mit zum Schluss tödlichen Konsequenzen ausgelöst, von dem sich die Liberalen bis heute nicht erholt haben. Marketing mit politischem Geschmäckle hatte die Wanzl Metallwarenfabrik GmbH damals wie heute nicht nötig. Das Leipheimer Familienunternehmen war schon in den 1980er-Jahren der Primus bei den wendigen Kisten, mit denen man im Supermarkt bequem einkaufen und sein Reisegepäck auf Flughäfen leicht transportieren kann.



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