LandratSailerAusgabe032017

Ausgabe 03 / 2017 · Feuilleton

Gelebte Lust, sein eigener Herr zu sein

Weißes Businesshemd mit dem typischen Kent-Kragen. Unifarbene, taubenblaue Krawatte. Korrekt gebunden. Der ranke Mann trägt einen gut auf Taille geschnittenen Einreiher, die klassische Uniform der Erfolgsgeneration zwischen 40 und 50. Sein Gang ist raumgreifend, obwohl es gewiss keinen gibt, der es sich erlauben würde, ihn im Gebäude des Augsburger Landratsamts zur Eile zu drängen. Sein erhöhtes Schritttempo deutet lediglich an: Der nächste Termin ruft. Seine Gelassenheit lässt darüber hinaus keine Zweifel aufkommen: Hier bin ich der Herr im Haus – Majordomus und wohlbestallter Landrat des Landkreises Augsburg. Martin Sailer scheint schon lange dort angekommen zu sein, wo die meisten Politiker niemals ankommen: in einem herausgehobenen politischen Amt, das ihm tatsächlich erlaubt, sein eigener Herr zu sein. Vorausgesetzt, er widersteht der stets wiederkehrenden Versuchung, sich selbst zu wichtig zu nehmen und damit sich selbst zu fesseln. Es gibt ein paar Hinweise, dass er in diese Falle nicht tappt. Zu Selbstkritik scheint er durchaus fähig zu sein, wenn man seiner Selbsteinschätzung folgt. Dazu gehört, dass er sich in seinem Amt mit dienstbaren Geistern umgeben hat, die durchaus zu Widerspruch neigen, wenn sie es für sachlich begründet halten.

Martin Sailer scheint sich in seiner Rolle äußerst wohl, wenn nicht gar sauwohl zu fühlen. Er lässt nur einmal beiläufig aufblitzen, was einen wie ihn mit seinen 47 Jahren in der bayerischen Politik vielleicht noch reizen könnte: „Das Amt eines Staatssekretärs im Innenministerium oder im Finanzministerium“ müsste es sein. Wennschon, dennschon. Aber dieser Sidestep ist nicht mehr als ein enteilter Gedanke. Das Thema ist längst abgehakt, wenn man einmal in die Rolle eines Landvogts geschlüpft ist, der über einen wirtschaftlich dynamischen Landkreis mit rund 250.000 Einwohnern gebietet, ohne dessen wohlmeinende Zuneigung auch die drittgrößte Stadt Bayerns ihre Ansprüche und Pläne spürbar zurückschrauben müsste. Man erinnere sich nur, wie die Landkreisstädte Königsbrunn und Gersthofen unter den Bürgermeistern Fritz Wohlfarth und Siegfried Deffner das Selbstwertgefühl der Stadt Augsburg kleingehalten hatten.

aus Ausgabe 03 / 2017

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